Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

April 2017 – Der Umbau der Zukunftswerkstatt geht los

Der Umbau der Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E hat begonnen. Zwei Wände werden eingerissen und Boden verlegt, damit in dem ehemaligen Statiker-Büro ein neuartiges Nachbarschafts- und Kulturzentrum entstehen kann. Auf 230 Quadratmetern stellt der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum Raum für Bewohnerschaft des Quartiers zur Verfügung, aber auch für externe Interessierte.

Am 11. Juni wird diese besondere Art der Begegnungsstätte eröffnet. Vorher können sich Interessierte jedoch bereits bei mehreren Baustellenbesichtigungen anschauen, was der Verein vorhat. Der nächste Tag der offenen Tür ist am 29. April von 15 bis 18 Uhr. Neben Informationen wird es auch Getränke gegen Spende geben.

Der Umbau wird so nachhaltig wie möglich gestaltet. Eines der ausführenden Unternehmen ist Umbau Hannover – der Ökobaumarkt aus Linden.

Bei Interesse: raum(at)ihmezentrum(.)org

April 2017 – Das „Raumschiff Ihme-Zentrum“ wird Uni-Thema

Wie kann eine Transformation des Ihme-Zentrums nach dem menschlichen Maß funktionieren? Wie kann das leblose Sockelgeschoss wieder belebt und das Quartier mit seinem Umfeld zusammen wachsen. Architektin Karin Kellner und Stadtforscher Herbert Schubert untersuchen mit Architektur-Studierenden der Uni Hannover im Sommersemester das Potenzial des Ihme-Zentrums. Die Ergebnisse werden allen Interessierten zum Schluss präsentiert.

Ihr bietet im Sommersemester an der Uni Hannover ein Seminar zum „Raumschiff Ihme-Zentrum“ an. Was genau werdet ihr den Studierenden beibringen?
In der öffentlichen Meinung ist das Ihme-Zentrum umstritten. Wir wollen den fachlichen Diskurs beleben, dass es nicht nur ein typisches Architekturzeichen seiner Zeit repräsentiert, sondern auch ein kulturelles Erbe der Zweiten Nachkriegsmoderne in Hannover. Als Erbe enthält es ein großes umnutzbares Flächenpotenzial inmitten des lebendigen Stadtteils Linden. Von daher lohnt es sich, im Seminar die zugrunde liegende Konzeption des Strukturalismus und das Leitbild der Urbanität durch Dichte in Augenschein zu nehmen. Als Skulptur des Béton Brut oder Brutalismus repräsentiert das Ihme-Zentrum auch die Industrialisierung des großmaßstäblichen Bauens ab dem Ende der 1960er-Jahre.

Worauf dürfen sich die Studierenden denn konkret freuen?
Neben der zeit- und architekturhistorischen Einordnung des Ihme-Zentrums sollen die Studierenden hingeführt werden zu einer Reflexion, was den menschlichen Maßstab als Basis einer nutzergerechten Planung ausmacht. Neben einem Rundgang und dem Kennenlernen der Planungsgeschichte werden sich die Studierenden im Rahmen nutzerzentrierter Praxistestübungen an das Ihme-Zentrum annähern. Im weiteren Seminarverlauf werden Methoden und Instrumente für die Analyse und Bewertung des Ihme-Zentrums vorgestellt, die anschließend angewendet werden sollen.

Welche Aufgaben werdet ihr den Studierenden stellen?
In den Aufgabenstellungen wird es um Fragen gehen, wie zum Beispiel: Wie lässt sich das Ihme-Zentrum auf ein menschliches Maß herunter brechen? Was heißt „maßstabsgerechte Planung“ im Ihme-Zentrum? Wie lässt es sich in kleinere Einheiten zerlegen? Wie kann das Prinzip der Nutzungsmischung erhalten werden?

Müssen die Studierenden eine Arbeit oder Entwürfe zum Ihme-Zentrum machen?
Die Themenschwerpunkte des Seminars werden sein: (1) Maßstäblichkeit und Proportionen; (2) öffentlicher Raum und seine Belebung; (3) das Stadtbild; (4) die Gestaltungsmuster der Pattern Language; (5) Nutzungsmischung. Als damit verbundene Vertiefungsaspekte sind vorgesehen: Anbindung der Wohnebenen an den öffentlichen Raum, Anbindung des Ihme-Zentrums an die Nachbarquartiere, sichere Raumnutzung durch Bewohnerschaft und Passanten, Zonierung und Gliederung des Raumes.
Die meisten Studierenden haben das Modul „Räume und Orte verstehen und entwickeln“ belegt und werden zu einem Themenschwerpunkt eine Analyse und Ausarbeitung von Ideen durchführen. Einige Studierenden wollen ein umfangreicheres Projektmodul realisieren – sie  werden sich mit drei Themenschwerpunkten auseinandersetzen und Planungsideen ausarbeiten.

Der Kurs ist ja nur für Architekturstudierende. Wird es denn eine öffentliche Vorstellung der Arbeiten geben?
Die Ergebnisse der studentischen Auseinandersetzung mit dem Ihme-Zentrum werden am Dienstag, 4. Juli 2017, um 19 Uhr vorgestellt. Geplant ist eine Veranstaltung um 19 Uhr in der Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz 7E (Eingang vom Küchengarten aus), in den Räumen, die der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum als Nachbarschafts- und Kulturort betreibt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, vorbei zu kommen.

Herbert Schubert ist Stadtforscher. Karin Kellner ist Architektin.
Beide engagieren sich u.a. bei der Initiative Sicherheit im Städtebau in Niedersachsen
und sind Mitglieder im Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

April 2017 – Das Ihme-Zentrum bekommt einen Begegnungsort

230qm für bunte, kreative Ideen und eine lebendige Nachbarschaft: die Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz.

Am 11. Juni eröffnet der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum einen Ort der Begegnung im Quartier. Die 230 Quadratmeter stehen der Nachbarschaft zur Verfüfung, aber auch Interessierten von außen. Egal ob Kultur, Sport, Kreatives, Zusammentreffen, Geburtstage oder sonstige kleine Feiern – alles ist möglich. Der Verein selbst wird die Räume auch als Zentrum für ein Bürgerbeteiligungsprojekt nutzen. Neben privaten Spendern gibt die Landeshauptstadt Hannover eine zweijährige Teilförderung für die Räume im Rahmen einer Kulturkooperation.

Wer sich für die Räume interessiert: Am Samstag, 29. April, findet ab 15 Uhr ein Tag der offenen Tür und Baustellenbesichtung vor Ort am Ihmeplatz 7E statt. Der Verein stellt dabei seine Arbeit vor, es gibt Solibier und Spendenlimonade. Kommt vorbei und bringt eure Ideen für ein nachhaltiges und kreatives Ihme-Zentrum mit!

Hier ist die Facebook-Veranstaltung für den Termin.

April 2017 – Intown stellt Pläne für neue Fassade vor

Die Pläne von Intown für das Ihme-Zentrum aus dem Dezember 2016.

Fast 200 Eigentümer kam am Donnerstag, 6. April, in die Kantine der Stadtwerke im Gasometer auf der Glocksee, um sich den Planungsstandes des Großeigentümers vorstellen zu lassen. Der Einstieg erinnerte mit seinen fotorealistischen Visualisierungen der Architekten fatal an all die voran gegangenen Präsentationen von gescheiterten Investorenplänen: Einzelne Ziegel von hohen Mauerwerksstützen vor begrünten, sonnenbeschienen Fassaden wollen nun erst einmal so gar nicht zu der immer noch völlig ungeklärten Frage passen, was denn hinter den neu gestalteten Fassaden überhaupt passieren soll.

Zu diesem Gefühl passt, dass das beteiligte das Büro Schulze & Partner aus Hannover und das ebenfalls beauftragte Büro RKW aus Düsseldorf zu Beginn der Veranstaltung dieselben Fassaden nacheinander in ziemlich unterschiedlicher Gestaltung zeigen. Seit Dezember haben die bunten Bilder auch noch Flügel bekommen: Der Zuschauer fliegt in einem visualisierten Film durch das umgebaute Ihme-Zentrum. Was auffällt: An der Blumenauer Straße sollen kilometerlange Schaufenster für Einzelhändler entstehen.

Keine konkreten Zeit- und Finanzpläne zu Vermietung und Nutzung der Flächen
Doch der Schein trügt – und das ist auch gut so. Der Sprecher von Intown bekräftigte, dass die Einzelhandelsflächen auch weiterhin von ehemals 65.000 m² auf lediglich 20.000 m² reduziert bleiben und nur der Nahversorgung dienen. Bestand haben in den Planungen auch die anderen positiven Ansätze aus der Vorstellung im Ratsausschuss im Dezember, die weitgehend von den Vorschlägen der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum übernommen wurden: Am Küchengarten und in der Verlängerung der Gartenallee sollen öffentliche Durchwegungen zum Fluss Ihme entstehen.

Der Sockel soll Fassaden zur Blumenauer Straße und zur Spinnereistraße bekommen. Anstelle der reduzierten Einkaufsflächen wird eine Nutzungsmischung von zusätzlichen „durchgesteckten“ Wohnungen, Mikroappartements, Gastronomie, Lager- und Gewerbeflächen vorgeschlagen. Seit Dezember ist – vor allem hinsichtlich des Nutzungskonzeptes und der Vermietung – wenig voran gekommen.

So stellt sich Intown das Ihme-Zentrum nach dem Umbau vor.

Dialog zwischen Bewohnern und Intown ist noch ganz am Anfang
Bei der Planung ist dagegen erkennbar, dass sich das Büro RKW an der undankbaren Aufgabe abmüht, die Anbindungspunkte des Stadtteils, die Gebäudekubaturen des Ihme-Zentrums mit den engen Grenzen von Gemeinschaftseigentum und Sondereigentum in Einklang zu bringen. Der Sockel soll durchlässiger gegliederter werden. Die Adressbildung soll so verbessert werden, so dass alle Wohnhäuser rund um die Uhr von öffentlichen Wegen aus zugänglich sind.

Einige Bewohner deuteten im Rahmen der Vorstellung dann auch an, dass sie wenig Einwände gegen die Vorhaben des Großeigentümers in den Gewerbeflächen haben, wenn Ihnen dies garantiert wird. Als ein Eigentümer wissen will, wo denn bei seinem Hauseingang in der Visualisierung die Fahrräder und Mülltonnen geblieben sind, wird klar, wie viel Vermittlung und Abstimmungsprozesse noch notwendig sind, bis ein umsetzungsfähiges Konzept entsteht. Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum wird aus diesem Grund im Sommer einen Bürgerbeteiligungsprozess beginnen.

Nicht beantworten kann der Intown-Sprecher hingegen die Frage, wie denn die vorab vor das Betonskelett vorgehängten neuen Fassaden vor Vandalismus geschützt werden sollen, solange sie nicht von genutzten Gebäuden dahinter geschützt werden. Vorherige Investoren haben die immer gleichen aufsteigenden Vermietungskurven vorgestellt – die dann nie Wirklichkeit geworden sind. Stattdessen kündigte Intown einen Prozess des Suchens und einer stufigen Weiterentwicklung von Nutzungskonzept und baulichem Konzept an.

Bewohner erwarten Verbindlichkeiten von Intown
Ein Stadtteil wird nicht an einem Tag neu erfunden. Er fällt auch nicht vom Himmel. Er muss wachsen und im Prozess ausgehandelt werden. Das ist mühselig und langwierig, aber unvermeidlich. Wenn sich der Großeigentümer auf diesen Weg begibt, kann er vielleicht die nach wie vor große, berechtigte Skepsis vieler Wohnungseigentümer und Experten aus der Stadt widerlegen, es würden nur bunte Pläne, aber keine tragfähigen Konzepte entwickelt. Jürgen Oppermann, Vertreter der Wohnungseigentümer im Beirat des Ihme-Zentrums, machte dann auch unmissverständlich klar, dass Grundlage für die Beschlüsse der Wohnungseigentümer die Einzahlung der Finanzierungsmittel auf das Konto der Eigentümergemeinschaft ist.

Langwieriger ist auch die Zeit bis zur Stellung des Bauantrages geworden. Statt März ist jetzt von Juni die Rede. Verwalter Torsten Jaskulski sieht in der Planung einen großen Schritt nach vorne. Er kündigte außerdem eine Eigentümerversammlung für Mai an. Dann soll über Beschlussanträge auf Basis von Bauantragsunterlagen entschieden werden. Bisher haben die Architekten flexible Fassaden entwickelt, weil sie keine Vorgaben bekommen haben, was hinter den Fassaden stattfinden wird. Im Mai wird dann zu sehen sein, wie es Intown gelingt, eine flexible Fassade in einen nicht veränderlichen Bauantrag zu verwandeln.

Positive Reaktionen auf die Förderung durch das Bundesbauministerium
Allen anwesenden Eigentümern war eine Überraschung über die rund zwei Millionen Euro des Bundesbauministeriums für die Durchwegungen und Bürgerbeteiligung im Ihme-Zentrum. Der auf der Versammlung anwesende Justiziar des Oberbürgermeisters, Frank Herbert, war dementsprechend zufrieden, weil das Bundesbauministerium durch die Preisvergabe das Ihme-Zentrum als bundesweit besonders wichtiges Bauprojekt eingestuft hat. Die Stadtverwaltung hat zunächst einen allgemeinen Antrag gestellt. Im Mai wird eine Kommission nach Hannover kommen und über Art und Inhalt der Förderung verhandeln.

Text: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

1. April 2017 – Kauft Carsten Maschmeyer das Ihme-Zentrum?

Laut dem Norddeutschen Immobilienindex (NIX) ist der bekannte Investor heute in Hannover, um sich das Ihme-Zentrum anzuschauen. Wir berichten, wenn es weitere Informationen gibt.

April, April.

März 2017 – Ein Möglichkeitsraum für eine bessere Zukunft

Ob Austausch unter der Bewohnerschaft, Aktionen des Vereins oder Kunst und Kultur – das Nachbarschaftszentrum soll als Ort des Austauschs dienen.

Am 11. Juni eröffnet die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Kommunikations- und Nachbarschaftsraum im Ihme-Zentrum. Die rund 230 Quadratmeter sind aufgeteilt in drei Büros und einem großen Veranstaltungsraum für rund 100 bis 150 Personen. Ideal für Versammlungen, Kulturveranstaltungen und Feiern. Der Verein bietet die Räume offen an für Bewohner aus dem Ihme-Zentrum, aber auch für Interessierte von außen. Am Mittwoch, 29. März, gibt es dazu eine Art Tag der offenen Tür. Interessierte können ab 20h in die Räume am Ihmeplatz 7f (2. Etage) kommen. Eingang über Küchengarten. Vor Ort zeigen die unterschiedlichen Arbeitsgruppen des Vereins, was sie vorhaben. Aber auch weitere Initiativen werden sich vorstellen. Kommt vorbei, wir freuen uns auf eure Ideen.

Was: Tag der offenen Tür in der Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz
Wann: 29. März, ab 20h
Wo: Ihme-Zentrum, Ihmeplatz 7f, 2. Etage – Eingang am Küchengarten
Fragen? Antworten: zukunft(at)ihmezentrum(punkt)org

März 2017 – „Wenn enercity auszieht, was soll aus uns werden?“

So sieht der hannoversche Künstler Jan Cido Heidemann die Hochhäuser im Ihme-Zentrum. Links das enercity-Haus.

Die Entscheidung von enercity, das Ihme-Zentrum verlassen, macht vielen Bewohnern Angst. Denn das kommunale Energieunternehmen ist neben der Landeshauptstadt der wichtigste Mieter in dem Quartier. Sie befürchten durch den Auszug eine negative Spirale, an dessen Ende das ganze Viertel leiden könnte. Eine Bewohnerin, die nicht namentlich erwähnt werden möchte, möchte jetzt ein Zeichen setzen und hat ihren Vertrag mit enercity gekündigt. Warum sie diesen Schritt wählt und was sie sich fürs Ihme-Zentrum wünscht, erklärt sie im Interview.

Wie haben Sie darauf reagiert, dass enercity als wichtiger Mieter das Ihme-Zentrum verlassen will?
Wir haben das ja seit Jahren erwartet, schließlich gab es immer wieder die Drohungen. Aber als es dann offiziell wurde, hatte ich im ersten Moment schon Angst. Schließlich weiß man nicht, was mit dem Auszug alles passieren wird.

Können Sie denn die Entscheidung von enercity verstehen?
Ja, das Gebäude ist schließlich total kaputt. Ich habe mal mit einer Angestellten von enercity gesprochen, die hat mir von den katastrophalen Verhältnissen dort erzählt. Ich würde da auch nicht arbeiten wollen. Aber trotzdem fühlt man sich von denen im Stich gelassen.

Der Großeigentümer Intown hat doch angekündigt, das Zentrum zu modernisieren. Denken Sie nicht, dass das  ohne Mieter einfacher sein wird?
Wenn der wirklich Interesse an dem Ihme-Zentrum hätte, würde der sich doch auch mal mit der Bewohnerschaft in Verbindung setzen. Macht er aber nicht. Für mich ist das ein Spekulant, so wie Carlyle und Engel vorher. In der Bewohnerschaft glaubt wirklich niemand mehr daran, dass der hier was bauen wird.

Sie haben Ihren Vertrag mit enercity gekündigt – aus Protest. Warum?
Weil ich das nicht einfach so hinnehmen möchte. Ich denke mir, wenn die hier nicht mehr für Stabilität sorgen, dann möchte ich denen nicht mehr mein Geld geben. Im Gespräch mit meinen Nachbarn spüre ich großes Verständnis für diese Entscheidung. Es gibt inzwischen viele, die das Gleiche vorhaben. Irgendwie müssen wir doch ein Zeichen setzen.

Haben Sie denn eine Vision für eine bessere Zukunft im Ihme-Zentrum?
Ich habe so oft erlebt, dass hier große Versprechungen gemacht wurden, da bin ich über die Jahre sehr vorsichtig geworden. Ich wünsche mir im Grunde, dass hier wieder Leben reinkommt. Dass ich hier ein bisschen einkaufen kann, vielleicht auch ein Kiosk. Aber auch ein Arzt wäre praktisch. Das sind keine großen Träume, es reicht ja schon, wenn sich endlich ein Eigentümer findet, der verantwortungsbewusst ist und sich an der Instandhaltung beteiligt.

Die Bewohnerin ist 51 Jahre alt und wohnt sei vielen Jahren im Ihme-Zentrum. Sie möchte anonym bleiben.

 

März 2017 – Das Ihme-Zentrum in der Kestnergesellschaft

 

Was hat das Ihme-Zentrum mit Kurt Schwitters zu tun? Die Künstlerin Verena Issel sieht viele Parallelen zwischen den beiden hannoverschen Originalen und widmet ihnen eine eigene Ausstellung. Am 10. März  startet diese in der Kestnergesellschaft. Im Interview erklärt sie, was Besucher erwarten können.

Du hast dich in deiner Arbeit mit dem Ihme-Zentrum auseinandergesetzt. Was interessiert dich am meisten an dem Gebäude?
Wenn ich an Hannover denke, denke ich von der Kunst herkommend sofort an den von mir heiß geliebten Kurt Schwitters und seinen Merzbau: Sein 1923 begonnenes Lebenswerk, das er in seiner Privatwohnung in der hannoverschen Waldhausenstraße 5A errichtete. Der Raum wurde hier immer weiter zu- und umgebaut, geometrische und organische Gliederungen erstrecken sich nach innen, verschiedene Schwerpunkte und Themen hier und dort verstreut.
Schwitters hat meinen Begriff von Skulptur, Bau und Installation sehr geprägt.
Ich interessierte mich deshalb sehr dafür, welche anderen Bauwerke es  im heutigen Hannover, Wiege des Merz, gibt – eigentlich war ich eher auf der Suche nach anderen Innenausbauten a la KdeE, doch dann kommt man ja, sobald man mal in Hannover ist, gar nicht am Ihme-Zentrum vorbei.

Wieso?
Dieser brutalistische Riesenkoloss aus Beton, Europas größtes gegossenes Beton Fundament ist ebenso wie Schwitters‘ Merzbau eigentlich heutzutage eine Angelegenheit der Privatheit, schwer (nur über eine Brücke) zugänglich, als eine Art Gated Community geplant. Ein absolut faszinierendes utopisches Gebäude!

Was fasziniert dich besonders am Ihme-Zentrum?
Wie der Merzbau auch ist das Ihme-Zentrum in viele verschiedene kleine Teile gegliedert. Eklektische Bauelemente wie unterschiedlich geformte und andersfarbige Fensterrahmen, Backsteine etc. werden zusammen geführt zu einem großen Ganzen, das ziemlich verrückt wirkt.
Das eine ist ein Raumschiff nach innen, das andere ein Raumschiff nach außen… Diese Dialektik in Hannover hat mich interessiert und zu meiner Installation inspiriert!

Wo siehst du Parallelen zwischen dem Ihme-Zentrum und dem Werk Schwitters‘?
Das Ihme-Zentrum ist Vandalismus und Zerstörung ausgesetzt, die sinnlosen Graffiti an den Wänden erinnern teils an Schwitters dadaistische Gedichte. Ich habe mich auch für die Historie des Ortes interessiert, die Tatsache, dass früher an Stelle des Ihme-Zentrums eine Brotfabrik beheimatet war, kommt mir fast grotesk vor angesichts der rauen Massen des Betons.
Ich habe deshalb das im Ihme-Zentrum aufgefundene Graffiti fotografiert und es aus Salzteig nachgebaut, kombiniert mit Zitaten aus dem Dadaismus.  So finde ich passt Schwitters „i-Gedicht“  (Siehe Grafik) ja schon sehr gut: „rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf.“
Ähnlich spontan und schnell wurde ja auch das brutalistische Monstrum von Ihme-Zentrum gebaut.
Auch die nächtliche Beleuchtung des Ihme-Zentrums, die es noch mehr als tagsüber wie ein Raumschiff wirken lässt, habe ich in der Ausstellung auf mehreren Ebenen versucht aufzugreifen. Auch Schwitters experimentierte in seinem Bau mit verschiedenen Beleuchtungen, und ich habe hier nun leuchtendes Graffiti mit einfließen lassen.

Du hast dich in deiner Arbeit mit dem Ihme-Zentrum auseinandergesetzt. Was interessiert dich am meisten an dem Gebäude?
Ich finde die Verdrängung von Kunst auf marginale vorstädtische Orte ein Problem in Deutschlands Metropolen. Künstler und andere Kulturschaffende können sich oft innenstädtische Räume nicht mehr leisten. Durch Gentrifizierung und Landflucht wird es immer teurer und somit schwieriger, einen Ausstellungs-, Konzert- oder Atelierraum zu unterhalten. Viele Leute, die ich in Hamburg oder Berlin kenne, arbeiten mittlerweile sehr weit an den Rändern der Vorstädte. Dass in Hannover innerstädtisch tatsächlich noch große Flächen leer stehen, ist eine große Chance für kulturelle Entwicklung. Ich würde anfangen, die leeren Flächen an Künstler als Ateliers zu vergeben. Ich würde Proberäume für Musiker einrichten und vielleicht auch einen Club und einen Ausstellungsraum eröffnen. So könnte das Ihme-Zentrum Ein kultureller Magnet für viele Menschen werden, der Teilhabe ermöglicht.

Und darüber hinaus?
Ich könnte mir auch vorstellen, dass eine Art Artist-in-Residency-Programm, mit dem man Künstler aus anderen Städten und Ländern einlädt, in Hannover Projekte zu realisieren, zu großem internationalen Austausch und einer interessanten kulturellen Auseinandersetzung in Hannover führen kann. Die Gastkünstler könnten im Ihme-Zentrum wohnen und arbeiten. Das wäre derart skurril und besonders, dass man sich bestimmt kaum vor Bewerbern retten könnte!  Die Stadt könnte auf diese Weise stark profitieren, dass Ihme-Zentrum könnte ein touristischer und kultureller Magnet für viele Menschen werden, das Gebäude an sich ist schon so faszinierend, und wenn es dann noch mit interessanten Inhalten gefüllt wäre, würden bestimmt viele Leute auch aus anderen Städten anreisen, um es kennen zu lernen. Und nicht zuletzt die Hannoveraner hätten wieder einen aktiven künstlerischen Hotspot!

Verena Issel

Verena Issel ist Künstlerin. Ihre Ausstellung im Rahmen des „vg Stipendiums 2017“ startet am 10. März in der kestnergesellschaft in Hannover mit einer Eröffnungsparty mit DJ ab 19h. Die Ausstellung läuft bis zum 7. Mai.

März 2017 – Bund gibt 2 Millionen für bessere Wege im Zentrum

Copyright: Gerd Runge

Bessere Wege durchs Zentrum – davon profitiert die ganze Stadt.

Das Bundesministerium für Bau hat das Ihme-Zentrum als ein „Nationales Projekte des Städtebaus“ anerkannt und fördert nun die Entwicklung des Quartiers. Wie die HAZ berichtet werden 2 Millionen Euro für eine bessere Durchwegung bereit gestellt und dabei explizit das Engagement der Bürger im Zentrum gewürdigt. „Die monumentale Großstruktur des Ihme-Zentrums gehört zu den Hinterlassenschaften des Städtebaus der 1960er- und 70er-Jahre“, so das Ministerium in der Pressemitteilung. „Die Erdgeschosszonen erhalten eine Durchwegung und damit eine Durchlässigkeit zum Fluss Ihme.“

„Das ist ein gutes Zeichen – für das Ihme-Zentrum, aber auch für die gesamte Stadt“, so der Vorstandsvorsitzender des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Constantin Alexander. „Jetzt kommt es darauf an, dass der Großeigentümer Intown die Sanierung dieses Bereiches kurzfristig voranbringt und die Stadt das Thema Bürgerbeteiligung ernster nimmt und dabei mit den Bewohnern und dem Verein zusammenarbeitet.“ Sowohl die Verwaltung als auch die Ratsmehrheit haben gerade einen Antrag der Zukunftswerkstatt auf Förderung einer Bürgerbeteiligung beim Ihme-Zentrum abgelehnt. „Dass die Stadt den Antrag bei dem Bundesministerium gestellt hat, ist jedoch sehr positiv“, so Constantin Alexander. „Wenn nun die Bedürfnisse und Interessen der Menschen vor Ort beim Umbau der Durchwegung beachtet werden, dann profitiert ganz Hannover.“

Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat im vergangenen Jahr ein Konzept vorgestellt, wie das Ihme-Zentrum besser ins Umfeld integriert wird. Eine bessere Durchwegung ist dabei ein elementarer Aspekt.

Februar 2017 – Neues von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Liebe Freunde des Ihme-Zentrums,

kaum zwei Monate sind in diesem Jahr schon vergangenen, doch das Ihme-Zentrum kommt auch jetzt nicht aus den Schlagzeilen: Sei es die Fake News, dass Trumps Sohn das Quartier gekauft hätte oder Berichte über marode Wasserleitungen.
Für uns als Verein waren es ebenfalls ein paar arbeitsintensive Wochen: Wir haben den Grundstein gelegt für ein Bürgerbeteiligungsprojekt im Stadtviertel. Wir werden die Menschen, die hier leben, arbeiten und sich eine bessere Zukunft wünschen, danach fragen, was sie brauchen, um sich wohl und sicher zu fühlen. Was sie sich für eine Nutzung in den rund 100.000 Quadratmetern vorstellen, die derzeit leerstehen.
Das Zentrum dieser Aktivitäten wird ein Quartiersforum im Ihme-Zentrum sein, das wir ab Mai anmieten werden: Damit die Bewohnerschaft wieder einen Treffpunkt hat und kreative und interessierte Menschen von außerhalb einen Ort für besondere Aktivitäten. Das wird leider nicht ohne Unterstützung funktionieren: Wir werden deshalb im Frühjahr eine Spendenaktion starten. Wer jetzt schon Ideen für Veranstaltungen hat oder gerne Sach- oder Geldspenden geben möchte – wir freuen uns über jede Hilfe!
Was sonst noch passiert ist in den vergangenen Wochen, steht in den folgenden Meldungen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht, das Team der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Veranstaltungsreihe: Zukunftswerkstatt im Dialog
Am 29. März findet mit dem Titel Das Ihme-Zentrum als kreativer Hotspot die nächste Veranstaltung in der Reihe „Zukunftswerkstatt im Dialog“ statt. Dieses Mal geht es um das kreative Potenzial des Viertels, das auf einem interaktiven Rundgang gezeigt wird. Treffpunkt ist pünktlich um um 19.30 Uhr vorm Versammlungsraum der Wohngenossenschaft Ostland, Blumenauer Straße 25. Der Eintritt ist kostenlos. Um Spenden wird gebeten. Weitere Informationen findet ihr hier.
Am 7. Dezember fand bereits eine Einführung zum Thema „Städtebaurecht im Ihme-Zentrum – Chancen und Möglichkeiten“ statt. Am 25. Januar lautete das Thema „Gefühlte Sicherheit im Ihme-Zentrum. Was kann und sollte verbessert werden?“. Bei der Veranstaltung sprachen sich alle Anwesenden – auch die Vertreter im Beirat des Ihme-Zentrums – dafür aus, ein Bürgerbeteiligungsprozess anzuregen. Infos dazu und ein Interview zum Thema „Sicherheit im Ihme-Zentrum“ findet ihr unter folgendem Link.

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum startet Bürgerbeteiligungsprojekt
Die Projektgruppe Steglitzer Kreisel will mehr als 10 Millionen Euro in den Umbau der Sockelgeschosse des Ihme-Zentrums investieren. Damit diese Mittel möglichst konstruktiv eingesetzt werden, hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Konzept für einen Bürgerbeteiligungsprozess erstellt. Das Ziel des Konzepts ist es, Bedarfe aller Beteiligten zu ermitteln und einen Konsens herzustellen zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern, im Ihme-Zentrum Arbeitenden, Vertretern aus Stadt und Politik, sowie weiteren Interessengruppen.
Das Konzept wurde auch dem Stadtrat vorgelegt. Die SPD hat als größte Partei den Antrag abgelehnt. Nichtsdestotrotz haben SPD/GRÜNE/FDP einen jährlichen Zuschuss für die Anmietung der QuartiersRäume zugesagt (siehe nächsten Punkt).
Die Mitglieder des Vereins werden jedoch mit weiteren externen Partnern und in Absprache mit der Hausbewohnerschaft trotz Ablehnung ein Bürgerbeteiligungsprojekt starten.

230 Quadratmeter für neue Ideen
Anfang Juni eröffnet der Verein seine eigenen Räumlichkeiten im Ihme-Zentrum. Die Räume sollen unter anderem der Einwohnerschaft des Ihme-Zentrums ein Forum für Aktionen und Treffen geben sowie Kulturschaffenden eine Plattform für Ausstellungen und Events bieten. Das Konzept für die Raumnutzung und einen Lageplan findet ihr in Zukunft hier.
Das Funktionieren dieses wichtigen Vereinsbausteins wird eine erhebliche Ausstrahlung für die Vereinsarbeit haben, aber auch für das Potenzial des Quartiers insgesamt. Doch der Start ist eine große Herausforderung und wir bitten dringend um Rückmeldung unter zukunft(AT)ihmezentrum.org, ob und wie ihr helfen könnt:

Hilferuf 1:
In der jetzt anstehenden Umbau- und Einrichtungsphase braucht unsere kleine Raum-AG dringend personelle Verstärkung! Es reicht dabei, wenn einige von euch nur die nächsten drei bis vier Monate mitmachen!

Hilferuf 2:
Für den Umbau der Räume fehlen uns noch mindestens 6.000 Euro!!!!! Bitte helft uns auf eine der folgenden Wege:

  1. Spendet selber privat was (wobei es keine Spendenbescheinigungen gibt, weil wir ja leider noch nicht gemeinnützig sind). Wenn ihr damit einverstanden seid, kommt ab 100 Euro euer Name im Eingangsbereich auf eine Sponsorenwand.
  2. Wenn ihr eine Firma habt: Fördert das Projekt wie jetzt schon sechs andere Firmen bzw. Institutionen. Ab 1.000 Euro wird eure Firma als Förderer der Zukunftswerkstatt in Broschüren und auf der Sponsoren-Wand in den QuartiersRäumen genannt, ab 2.000 Euro mit Logo. Bitte meldet Euch ggfs. an obige Mailadresse, damit wir eine entsprechende Vereinbarung schließen.
  3. Wenn ihr eine Firma oder Institution kennt, die eventuell als weiterer Sponsor in Frage kommt, sprecht bitte eure Kontaktpersonen dort an und informiert uns über das Hilfsangebot über obige Mailadresse.

Hilferuf 3:
Wir brauchen möglichst kostenlos oder günstig 120 Stapelstühle,  Gläser, Tassen, Teller, Besteck, Geschirrspülmaschine, Theke, Kaffeemaschine, Beamer, Lautsprecheranlage, 2 Schreibtische + Bürostühle, transportable Bühnenelemente, Rednerpult, Pinwände, usw.. Wenn ihr so etwas abgeben könnt oder einen Kontakt zu Sachspendern herstellen könnt, dann bitte eine Info an obige Mailadresse.

Besichtigungstermine der Vereinsräume
Tag der offenen Tür: Im April wollen wir Neugierige einladen, die Räume des Vereins zu besuchen. Zum einen wird es einen Termin explizit für die Bewohnerschaft des Ihme-Zentrums geben. Zum anderen werden Anwohnende und Interessierte eingeladen, sich ein Bild von den Lokalitäten zu machen. Wenn ihr Interesse oder eigene Ideen habt oder euch auch selbst einbringen möchtet: Meldet euch jetzt schon an unter zukunft(at)ihmezentrum.org – wir teilen euch dann den endgültigen Termin mit.

Zukunftswerkstatt und HaussprecherInnen starten Austausch
Anfang Februar haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Zukunftswerkstatt mit Haussprecherinnen und Haussprecher im Ihme-Zentrum getroffen. Beide Seiten waren sich einig: Nur gemeinsam kann eine Revitalisierung gelingen. Der Austausch über gemeinsame Aktivitäten wird in Zukunft weiter geführt.
Die Funktion der Haussprecher im Ihme-Zentrum betrifft die allgemeine Planung der jeweiligen Mehrfamilienhausteile, von denen es zwölf gibt. Haussprecher wird nur, wer Eigentum besitzt und von den kleinen Eigentumsgemeinschaften gewählt wird.