Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

März 2017 – „Wenn enercity auszieht, was soll aus uns werden?“

So sieht der hannoversche Künstler Jan Cido Heidemann die Hochhäuser im Ihme-Zentrum. Links das enercity-Haus.

Die Entscheidung von enercity, das Ihme-Zentrum verlassen, macht vielen Bewohnern Angst. Denn das kommunale Energieunternehmen ist neben der Landeshauptstadt der wichtigste Mieter in dem Quartier. Sie befürchten durch den Auszug eine negative Spirale, an dessen Ende das ganze Viertel leiden könnte. Eine Bewohnerin, die nicht namentlich erwähnt werden möchte, möchte jetzt ein Zeichen setzen und hat ihren Vertrag mit enercity gekündigt. Warum sie diesen Schritt wählt und was sie sich fürs Ihme-Zentrum wünscht, erklärt sie im Interview.

Wie haben Sie darauf reagiert, dass enercity als wichtiger Mieter das Ihme-Zentrum verlassen will?
Wir haben das ja seit Jahren erwartet, schließlich gab es immer wieder die Drohungen. Aber als es dann offiziell wurde, hatte ich im ersten Moment schon Angst. Schließlich weiß man nicht, was mit dem Auszug alles passieren wird.

Können Sie denn die Entscheidung von enercity verstehen?
Ja, das Gebäude ist schließlich total kaputt. Ich habe mal mit einer Angestellten von enercity gesprochen, die hat mir von den katastrophalen Verhältnissen dort erzählt. Ich würde da auch nicht arbeiten wollen. Aber trotzdem fühlt man sich von denen im Stich gelassen.

Der Großeigentümer Intown hat doch angekündigt, das Zentrum zu modernisieren. Denken Sie nicht, dass das  ohne Mieter einfacher sein wird?
Wenn der wirklich Interesse an dem Ihme-Zentrum hätte, würde der sich doch auch mal mit der Bewohnerschaft in Verbindung setzen. Macht er aber nicht. Für mich ist das ein Spekulant, so wie Carlyle und Engel vorher. In der Bewohnerschaft glaubt wirklich niemand mehr daran, dass der hier was bauen wird.

Sie haben Ihren Vertrag mit enercity gekündigt – aus Protest. Warum?
Weil ich das nicht einfach so hinnehmen möchte. Ich denke mir, wenn die hier nicht mehr für Stabilität sorgen, dann möchte ich denen nicht mehr mein Geld geben. Im Gespräch mit meinen Nachbarn spüre ich großes Verständnis für diese Entscheidung. Es gibt inzwischen viele, die das Gleiche vorhaben. Irgendwie müssen wir doch ein Zeichen setzen.

Haben Sie denn eine Vision für eine bessere Zukunft im Ihme-Zentrum?
Ich habe so oft erlebt, dass hier große Versprechungen gemacht wurden, da bin ich über die Jahre sehr vorsichtig geworden. Ich wünsche mir im Grunde, dass hier wieder Leben reinkommt. Dass ich hier ein bisschen einkaufen kann, vielleicht auch ein Kiosk. Aber auch ein Arzt wäre praktisch. Das sind keine großen Träume, es reicht ja schon, wenn sich endlich ein Eigentümer findet, der verantwortungsbewusst ist und sich an der Instandhaltung beteiligt.

Die Bewohnerin ist 51 Jahre alt und wohnt sei vielen Jahren im Ihme-Zentrum. Sie möchte anonym bleiben.

 

März 2017 – Das Ihme-Zentrum in der Kestnergesellschaft

 

Was hat das Ihme-Zentrum mit Kurt Schwitters zu tun? Die Künstlerin Verena Issel sieht viele Parallelen zwischen den beiden hannoverschen Originalen und widmet ihnen eine eigene Ausstellung. Am 10. März  startet diese in der Kestnergesellschaft. Im Interview erklärt sie, was Besucher erwarten können.

Du hast dich in deiner Arbeit mit dem Ihme-Zentrum auseinandergesetzt. Was interessiert dich am meisten an dem Gebäude?
Wenn ich an Hannover denke, denke ich von der Kunst herkommend sofort an den von mir heiß geliebten Kurt Schwitters und seinen Merzbau: Sein 1923 begonnenes Lebenswerk, das er in seiner Privatwohnung in der hannoverschen Waldhausenstraße 5A errichtete. Der Raum wurde hier immer weiter zu- und umgebaut, geometrische und organische Gliederungen erstrecken sich nach innen, verschiedene Schwerpunkte und Themen hier und dort verstreut.
Schwitters hat meinen Begriff von Skulptur, Bau und Installation sehr geprägt.
Ich interessierte mich deshalb sehr dafür, welche anderen Bauwerke es  im heutigen Hannover, Wiege des Merz, gibt – eigentlich war ich eher auf der Suche nach anderen Innenausbauten a la KdeE, doch dann kommt man ja, sobald man mal in Hannover ist, gar nicht am Ihme-Zentrum vorbei.

Wieso?
Dieser brutalistische Riesenkoloss aus Beton, Europas größtes gegossenes Beton Fundament ist ebenso wie Schwitters‘ Merzbau eigentlich heutzutage eine Angelegenheit der Privatheit, schwer (nur über eine Brücke) zugänglich, als eine Art Gated Community geplant. Ein absolut faszinierendes utopisches Gebäude!

Was fasziniert dich besonders am Ihme-Zentrum?
Wie der Merzbau auch ist das Ihme-Zentrum in viele verschiedene kleine Teile gegliedert. Eklektische Bauelemente wie unterschiedlich geformte und andersfarbige Fensterrahmen, Backsteine etc. werden zusammen geführt zu einem großen Ganzen, das ziemlich verrückt wirkt.
Das eine ist ein Raumschiff nach innen, das andere ein Raumschiff nach außen… Diese Dialektik in Hannover hat mich interessiert und zu meiner Installation inspiriert!

Wo siehst du Parallelen zwischen dem Ihme-Zentrum und dem Werk Schwitters‘?
Das Ihme-Zentrum ist Vandalismus und Zerstörung ausgesetzt, die sinnlosen Graffiti an den Wänden erinnern teils an Schwitters dadaistische Gedichte. Ich habe mich auch für die Historie des Ortes interessiert, die Tatsache, dass früher an Stelle des Ihme-Zentrums eine Brotfabrik beheimatet war, kommt mir fast grotesk vor angesichts der rauen Massen des Betons.
Ich habe deshalb das im Ihme-Zentrum aufgefundene Graffiti fotografiert und es aus Salzteig nachgebaut, kombiniert mit Zitaten aus dem Dadaismus.  So finde ich passt Schwitters „i-Gedicht“  (Siehe Grafik) ja schon sehr gut: „rauf, runter, rauf, Pünktchen drauf.“
Ähnlich spontan und schnell wurde ja auch das brutalistische Monstrum von Ihme-Zentrum gebaut.
Auch die nächtliche Beleuchtung des Ihme-Zentrums, die es noch mehr als tagsüber wie ein Raumschiff wirken lässt, habe ich in der Ausstellung auf mehreren Ebenen versucht aufzugreifen. Auch Schwitters experimentierte in seinem Bau mit verschiedenen Beleuchtungen, und ich habe hier nun leuchtendes Graffiti mit einfließen lassen.

Du hast dich in deiner Arbeit mit dem Ihme-Zentrum auseinandergesetzt. Was interessiert dich am meisten an dem Gebäude?
Ich finde die Verdrängung von Kunst auf marginale vorstädtische Orte ein Problem in Deutschlands Metropolen. Künstler und andere Kulturschaffende können sich oft innenstädtische Räume nicht mehr leisten. Durch Gentrifizierung und Landflucht wird es immer teurer und somit schwieriger, einen Ausstellungs-, Konzert- oder Atelierraum zu unterhalten. Viele Leute, die ich in Hamburg oder Berlin kenne, arbeiten mittlerweile sehr weit an den Rändern der Vorstädte. Dass in Hannover innerstädtisch tatsächlich noch große Flächen leer stehen, ist eine große Chance für kulturelle Entwicklung. Ich würde anfangen, die leeren Flächen an Künstler als Ateliers zu vergeben. Ich würde Proberäume für Musiker einrichten und vielleicht auch einen Club und einen Ausstellungsraum eröffnen. So könnte das Ihme-Zentrum Ein kultureller Magnet für viele Menschen werden, der Teilhabe ermöglicht.

Und darüber hinaus?
Ich könnte mir auch vorstellen, dass eine Art Artist-in-Residency-Programm, mit dem man Künstler aus anderen Städten und Ländern einlädt, in Hannover Projekte zu realisieren, zu großem internationalen Austausch und einer interessanten kulturellen Auseinandersetzung in Hannover führen kann. Die Gastkünstler könnten im Ihme-Zentrum wohnen und arbeiten. Das wäre derart skurril und besonders, dass man sich bestimmt kaum vor Bewerbern retten könnte!  Die Stadt könnte auf diese Weise stark profitieren, dass Ihme-Zentrum könnte ein touristischer und kultureller Magnet für viele Menschen werden, das Gebäude an sich ist schon so faszinierend, und wenn es dann noch mit interessanten Inhalten gefüllt wäre, würden bestimmt viele Leute auch aus anderen Städten anreisen, um es kennen zu lernen. Und nicht zuletzt die Hannoveraner hätten wieder einen aktiven künstlerischen Hotspot!

Verena Issel

Verena Issel ist Künstlerin. Ihre Ausstellung im Rahmen des „vg Stipendiums 2017“ startet am 10. März in der kestnergesellschaft in Hannover mit einer Eröffnungsparty mit DJ ab 19h. Die Ausstellung läuft bis zum 7. Mai.

März 2017 – Bund gibt 2 Millionen für bessere Wege im Zentrum

Copyright: Gerd Runge

Bessere Wege durchs Zentrum – davon profitiert die ganze Stadt.

Das Bundesministerium für Bau hat das Ihme-Zentrum als ein „Nationales Projekte des Städtebaus“ anerkannt und fördert nun die Entwicklung des Quartiers. Wie die HAZ berichtet werden 2 Millionen Euro für eine bessere Durchwegung bereit gestellt und dabei explizit das Engagement der Bürger im Zentrum gewürdigt. „Die monumentale Großstruktur des Ihme-Zentrums gehört zu den Hinterlassenschaften des Städtebaus der 1960er- und 70er-Jahre“, so das Ministerium in der Pressemitteilung. „Die Erdgeschosszonen erhalten eine Durchwegung und damit eine Durchlässigkeit zum Fluss Ihme.“

„Das ist ein gutes Zeichen – für das Ihme-Zentrum, aber auch für die gesamte Stadt“, so der Vorstandsvorsitzender des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Constantin Alexander. „Jetzt kommt es darauf an, dass der Großeigentümer Intown die Sanierung dieses Bereiches kurzfristig voranbringt und die Stadt das Thema Bürgerbeteiligung ernster nimmt und dabei mit den Bewohnern und dem Verein zusammenarbeitet.“ Sowohl die Verwaltung als auch die Ratsmehrheit haben gerade einen Antrag der Zukunftswerkstatt auf Förderung einer Bürgerbeteiligung beim Ihme-Zentrum abgelehnt. „Dass die Stadt den Antrag bei dem Bundesministerium gestellt hat, ist jedoch sehr positiv“, so Constantin Alexander. „Wenn nun die Bedürfnisse und Interessen der Menschen vor Ort beim Umbau der Durchwegung beachtet werden, dann profitiert ganz Hannover.“

Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat im vergangenen Jahr ein Konzept vorgestellt, wie das Ihme-Zentrum besser ins Umfeld integriert wird. Eine bessere Durchwegung ist dabei ein elementarer Aspekt.

Februar 2017 – Neues von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Liebe Freunde des Ihme-Zentrums,

kaum zwei Monate sind in diesem Jahr schon vergangenen, doch das Ihme-Zentrum kommt auch jetzt nicht aus den Schlagzeilen: Sei es die Fake News, dass Trumps Sohn das Quartier gekauft hätte oder Berichte über marode Wasserleitungen.
Für uns als Verein waren es ebenfalls ein paar arbeitsintensive Wochen: Wir haben den Grundstein gelegt für ein Bürgerbeteiligungsprojekt im Stadtviertel. Wir werden die Menschen, die hier leben, arbeiten und sich eine bessere Zukunft wünschen, danach fragen, was sie brauchen, um sich wohl und sicher zu fühlen. Was sie sich für eine Nutzung in den rund 100.000 Quadratmetern vorstellen, die derzeit leerstehen.
Das Zentrum dieser Aktivitäten wird ein Quartiersforum im Ihme-Zentrum sein, das wir ab Mai anmieten werden: Damit die Bewohnerschaft wieder einen Treffpunkt hat und kreative und interessierte Menschen von außerhalb einen Ort für besondere Aktivitäten. Das wird leider nicht ohne Unterstützung funktionieren: Wir werden deshalb im Frühjahr eine Spendenaktion starten. Wer jetzt schon Ideen für Veranstaltungen hat oder gerne Sach- oder Geldspenden geben möchte – wir freuen uns über jede Hilfe!
Was sonst noch passiert ist in den vergangenen Wochen, steht in den folgenden Meldungen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht, das Team der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Veranstaltungsreihe: Zukunftswerkstatt im Dialog
Am 29. März findet mit dem Titel Das Ihme-Zentrum als kreativer Hotspot die nächste Veranstaltung in der Reihe „Zukunftswerkstatt im Dialog“ statt. Dieses Mal geht es um das kreative Potenzial des Viertels, das auf einem interaktiven Rundgang gezeigt wird. Treffpunkt ist pünktlich um um 19.30 Uhr vorm Versammlungsraum der Wohngenossenschaft Ostland, Blumenauer Straße 25. Der Eintritt ist kostenlos. Um Spenden wird gebeten. Weitere Informationen findet ihr hier.
Am 7. Dezember fand bereits eine Einführung zum Thema „Städtebaurecht im Ihme-Zentrum – Chancen und Möglichkeiten“ statt. Am 25. Januar lautete das Thema „Gefühlte Sicherheit im Ihme-Zentrum. Was kann und sollte verbessert werden?“. Bei der Veranstaltung sprachen sich alle Anwesenden – auch die Vertreter im Beirat des Ihme-Zentrums – dafür aus, ein Bürgerbeteiligungsprozess anzuregen. Infos dazu und ein Interview zum Thema „Sicherheit im Ihme-Zentrum“ findet ihr unter folgendem Link.

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum startet Bürgerbeteiligungsprojekt
Die Projektgruppe Steglitzer Kreisel will mehr als 10 Millionen Euro in den Umbau der Sockelgeschosse des Ihme-Zentrums investieren. Damit diese Mittel möglichst konstruktiv eingesetzt werden, hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Konzept für einen Bürgerbeteiligungsprozess erstellt. Das Ziel des Konzepts ist es, Bedarfe aller Beteiligten zu ermitteln und einen Konsens herzustellen zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern, im Ihme-Zentrum Arbeitenden, Vertretern aus Stadt und Politik, sowie weiteren Interessengruppen.
Das Konzept wurde auch dem Stadtrat vorgelegt. Die SPD hat als größte Partei den Antrag abgelehnt. Nichtsdestotrotz haben SPD/GRÜNE/FDP einen jährlichen Zuschuss für die Anmietung der QuartiersRäume zugesagt (siehe nächsten Punkt).
Die Mitglieder des Vereins werden jedoch mit weiteren externen Partnern und in Absprache mit der Hausbewohnerschaft trotz Ablehnung ein Bürgerbeteiligungsprojekt starten.

230 Quadratmeter für neue Ideen
Anfang Juni eröffnet der Verein seine eigenen Räumlichkeiten im Ihme-Zentrum. Die Räume sollen unter anderem der Einwohnerschaft des Ihme-Zentrums ein Forum für Aktionen und Treffen geben sowie Kulturschaffenden eine Plattform für Ausstellungen und Events bieten. Das Konzept für die Raumnutzung und einen Lageplan findet ihr in Zukunft hier.
Das Funktionieren dieses wichtigen Vereinsbausteins wird eine erhebliche Ausstrahlung für die Vereinsarbeit haben, aber auch für das Potenzial des Quartiers insgesamt. Doch der Start ist eine große Herausforderung und wir bitten dringend um Rückmeldung unter zukunft(AT)ihmezentrum.org, ob und wie ihr helfen könnt:

Hilferuf 1:
In der jetzt anstehenden Umbau- und Einrichtungsphase braucht unsere kleine Raum-AG dringend personelle Verstärkung! Es reicht dabei, wenn einige von euch nur die nächsten drei bis vier Monate mitmachen!

Hilferuf 2:
Für den Umbau der Räume fehlen uns noch mindestens 6.000 Euro!!!!! Bitte helft uns auf eine der folgenden Wege:

  1. Spendet selber privat was (wobei es keine Spendenbescheinigungen gibt, weil wir ja leider noch nicht gemeinnützig sind). Wenn ihr damit einverstanden seid, kommt ab 100 Euro euer Name im Eingangsbereich auf eine Sponsorenwand.
  2. Wenn ihr eine Firma habt: Fördert das Projekt wie jetzt schon sechs andere Firmen bzw. Institutionen. Ab 1.000 Euro wird eure Firma als Förderer der Zukunftswerkstatt in Broschüren und auf der Sponsoren-Wand in den QuartiersRäumen genannt, ab 2.000 Euro mit Logo. Bitte meldet Euch ggfs. an obige Mailadresse, damit wir eine entsprechende Vereinbarung schließen.
  3. Wenn ihr eine Firma oder Institution kennt, die eventuell als weiterer Sponsor in Frage kommt, sprecht bitte eure Kontaktpersonen dort an und informiert uns über das Hilfsangebot über obige Mailadresse.

Hilferuf 3:
Wir brauchen möglichst kostenlos oder günstig 120 Stapelstühle,  Gläser, Tassen, Teller, Besteck, Geschirrspülmaschine, Theke, Kaffeemaschine, Beamer, Lautsprecheranlage, 2 Schreibtische + Bürostühle, transportable Bühnenelemente, Rednerpult, Pinwände, usw.. Wenn ihr so etwas abgeben könnt oder einen Kontakt zu Sachspendern herstellen könnt, dann bitte eine Info an obige Mailadresse.

Besichtigungstermine der Vereinsräume
Tag der offenen Tür: Im April wollen wir Neugierige einladen, die Räume des Vereins zu besuchen. Zum einen wird es einen Termin explizit für die Bewohnerschaft des Ihme-Zentrums geben. Zum anderen werden Anwohnende und Interessierte eingeladen, sich ein Bild von den Lokalitäten zu machen. Wenn ihr Interesse oder eigene Ideen habt oder euch auch selbst einbringen möchtet: Meldet euch jetzt schon an unter zukunft(at)ihmezentrum.org – wir teilen euch dann den endgültigen Termin mit.

Zukunftswerkstatt und HaussprecherInnen starten Austausch
Anfang Februar haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Zukunftswerkstatt mit Haussprecherinnen und Haussprecher im Ihme-Zentrum getroffen. Beide Seiten waren sich einig: Nur gemeinsam kann eine Revitalisierung gelingen. Der Austausch über gemeinsame Aktivitäten wird in Zukunft weiter geführt.
Die Funktion der Haussprecher im Ihme-Zentrum betrifft die allgemeine Planung der jeweiligen Mehrfamilienhausteile, von denen es zwölf gibt. Haussprecher wird nur, wer Eigentum besitzt und von den kleinen Eigentumsgemeinschaften gewählt wird.

Februar 2017 – Ein Garten im Ihme-Zentrum

Ein Garten blüht

Im Frühjahr 2016 startete eine Gruppe motivierter Gärtnerinnen und Gärtner einen Palettengarten im Ihme-Zentrum. Das Projekt zog schnell große Aufmerksamkeit auf sich und lockte Bewohner, aber auch Interessierte von außerhalb des Quartiers an. Nach dem Winterschlaf geht es nun weiter. Was genau das Team vorhat, erklärt Garten-Sprecherin Isa im Interview.

Ihr habt im vergangenen Jahr einen Palettengarten im Ihme-Zentrum eingerichtet. Was ist das und was habt ihr alles geschafft?

Wir haben angefangen, Hochbeete auf einem brach liegenden Teil des Ihme-Zentrums gegenüber vom Küchengartenplatz zu bauen. Das Gartenprojekt ist für alle offen, und wir freuen uns über immer mehr Menschen, die Lust haben ihren Teil zum Garten beizutragen. So ist unsere Gartengruppe stetig mit dem Garten gewachsen. Gemeinsam haben wir in den Beeten hauptsächlich Gemüse angepflanzt und einen Ort geschaffen, an dem sich wieder gerne aufgehalten wird. So entstand langsam aber sicher eine Gartenoase auf dem zuvor ungenutzten und grauen Betonplatz.

Harte Arbeit

Was kommt in diesem Jahr?
Wir werden den Winter über weiterhin regelmäßige Gartengruppentreffen abhalten, das nächste ist am 17. Februar. Dabei wollen wir das Jahr planen. Der Garten soll auf jeden Fall wieder geöffnet werden, und wir hoffen, dass er weiterhin so toll von den Menschen angenommen wird und viele Lust haben, mitzumachen. Wie genau das aussehen wird, wissen wir noch nicht. Bei der Planung sind den Ideen auf jeden Fall keine Grenzen gesetzt. Unsere Gruppe ist auch nach wie vor offen für neue Gesichter. Man kann uns einfach über die Transition Town Hannover Facebookseite kontaktieren, sich in den Verteiler für die Gartengruppe aufnehmen lassen und schwupps, ist man bei dem nächsten Treffen dabei.

Wie kann man euch unterstützen?
Wir können grundsätzlich immer wieder Sach- und Geldspenden gebrauchen. Aber am meisten freuen wir uns, wenn viele Menschen mit ihren verschiedensten Fähigkeiten den Garten mitgestalten und sich so einbringen. Das nächste Treffen der Gartengruppe ist am 17. Februar um 18h. Interessierte melden sich bitte hier.

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Isabel (links) studiert Soziale Arbeit und kümmert ist mit Kim zusammen verantwortlich für den Palettengarten im Ihme-Zentrum. Beim Gärtnern kann jeder mitmachen.

Februar 2017 – Vorwärts und nicht vergessen!

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Die SPD im Stadtrat lehnt die Förderung eines bürgerliches Engagements im Ihme-Zentrum zum jetzigen Zeitpunkt ab. Deshalb startet der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ab Sommer selbst ein Quartiersforum. Die Räume sollen der Nachbarschaft und den Bewohnerinnen und Bewohner im Ihme-Zentrum zum Austausch dienen, aber auch Möglichkeiten für Kunst, Kultur und Sport bieten.

Der Großeigentümer Intown hat bunte Pläne vorgestellt, lässt aber offen, wann was passiert und wie viel es kostet. Jedes Gesprächsangebot von Bewohnern, Initiativen und auch Vertretern des Einzelhandels in Hannover wird abgelehnt. Nur mit Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) wird gesprochen. Mit dem Hinweis, man wolle erst in Ruhe alles planen und mit den Interessenten verhandeln. In den vergangenen Jahren haben wir zahlreiche Mietinteressenten an Intown vermittelt, von denen niemand eine klare Antwort bekommen hat. Auch dass die Immobilien, die Intown in anderen Städten besitzt, bislang nicht wirklich entwickelt wurden, macht uns skeptisch.

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Deshalb haben wir als Verein im Januar einen Antrag für ein Bürgerbeteiligungsprojekt im Ihme-Zentrum bei der „Koalition“ aus SPD, Grüne und FDP im hannoverschen Stadtrat gestellt. Das Ziel: Alle Betroffenen im Ihme-Zentrum in einer Art Parlament zusammen zu bringen und die Bedürfnisse und Bedarfe abzufragen – BewohnerInnen, Angestellte der städtischen Fachbereiche dort, Lindener Initiativen, Vertreter aus allen Fraktionen im Stadtrat, Alt und Jung. Die SPD als größte Fraktion im Rat hat unseren Antrag abgelehnt. Man solle nur „mehr Geduld“ haben.

Das Bündnis der drei Parteien erteilte uns jedoch eine zweijährige Förderung für ein Quartiersforum im Ihme-Zentrum. Die Räume sollen der Nachbarschaft und allen Bewohnerinnen und Bewohnern als Ort zum Kontakt und Austausch dienen, aber auch Sport, Kultur und Kreatives ermöglichen.

Wir laden alle Interessierten ein, mit uns zu beweisen, dass das Interesse an einem funktionierenden, lebendigem und kreativen Ihme-Zentrum in dieser Stadt da ist. Dass ein positiver Wandel möglich ist! Ab Mai geht es los. Wer sich dafür interessiert, meldet sich am besten bei unserem Newsletter an unter mail(at)ihmezentrum(punkt)org.

Wir warten nicht auf Intown! Wir warten auch nicht auf den Stadtrat der Landeshauptstadt. Wir fangen jetzt an, das Ihme-Zentrum aufzuwecken. Macht mit!

Hier findet ihr das Konzept für die Bürgerbeteiligung im Ihme-Zentrum zum Download

 

Januar 2017 – Das Ihme-Zentrum als Teil einer besseren Verkehrsinfrastruktur

Foto: @kommyt

Foto: @kommyt

Das Ihme-Zentrum wirkt für viele wie eine verschlossene Burg. Mehr Verbindungen zum Umfeld und angenehmere Wege durch das Quartier für Fußgänger und Fahrradfahrer würden die Lebensqualität für alle verbessern. Welche Ideen es für eine bessere Verkehrsinfrastruktur gibt, erklärt Oliver Thiele vom Aktionsbündnis Platzda! im Interview.

Ihr engagiert euch für eine nachhaltige Verkehrsführung in Linden und der gesamten Stadt. Welche Rolle spielt das Ihme-Zentrum für eine bessere Infrastruktur?
Die hohe Bebauungsdichte und die ursprünglich gemischte Nutzung bot den Bewohnern die Chance, sich zu Fuß fortzubewegen. Die Wege im funktionierenden Ihme-Zentrum waren kurz. Die Bewohner sollten zukünftig ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln, Medikamente, Besuchen von Bekannten, Arztterminen usw. zum Teil wieder innerhalb des Ihme-Zentrums decken können. Diese Form von Erreichbarkeit der infrastrukturellen Einrichtungen auch im umliegenden Stadtteil Linden ist aus unserer Sicht nachhaltiger Verkehr; weniger Verkehrslärm schont die Nerven und weniger Abgase die Gesundheit.
Die ungenutzten Tiefgaragen könnten als Stadtteilgaragen dienen. Das gewonnene Mehr an Raum durch weniger abgestellte Fahrzeuge würde die Möglichkeit bieten, breitere Fuß- und Radwege in Linden anzulegen. Fahren mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad, begegnen wir uns häufiger auf Augenhöhe im Stadtteil, sind entspannter und kommen ins Gespräch, was für den Zusammenhalt einer (Stadtteil-)Gemeinschaft eine hohe Bedeutung hat. Über Venedig, die Stadt der Fußgänger, wird gesagt, eine Verspätung von einer Viertelstunde ist allgemein akzeptiert, da die Menschen auf ihrem Weg zu einem Termin immer einen oder mehrere Bekannte treffen und sich unterhalten. Was für ein schöner Gedanke.

Copyright: Gerd Runge

Am Küchengarten und an der Gartenallee bieten sich gute Möglichkeiten für mehr Verbindung zum Umfeld. Idee: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Wie ließe sich der Radverkehr im Ihme-Zentrum und seiner Umgebung aus deiner Sicht verbessern?
Durch die zentrale Lage des Ihme-Zentrums haben die Bewohner unter gewissen Voraussetzungen die Gelegenheit, das Fahrrad häufiger zu nutzen und ihre Wege in Linden und der Stadt bequem per Rad zurückzulegen. Sichere und gut beleuchtete Fahrradabstellplätze, die in unmittelbarer Nähe der Aufzüge oder Treppenanlagen liegen, und natürlich gut ausgebaute Radwege dorthin sind einige dieser Voraussetzungen. Ein wieder erstarkendes Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen im Ihme-Zentrum und dem Stadtteil, das leider in den letzten Jahren verloren gegangen ist, könnte die Folge sein.
Die Durchquerung bzw. die Wege entlang des Ihme-Zentrums sind wichtige Punkte zur Verbesserung des Radverkehrs im und am Quartier. Die dunkle, schmuddelige Passage von der Blumenauer Straße, die an der Brücke hinüber zum Peter-Fechter-Ufer mündet, müsste gerader geführt und besser beleuchtet werden. Zudem wäre eine eindeutige Trennung zwischen Fußgängern und Radfahrern mit rot eingefärbten Radweg und baulicher Trennung durch Poller o. ä. wünschenswert, um Konflikte und Unfälle zu vermeiden. Der Weg nach Linden mit dem Rad, aus der Passage kommend, in die Gartenallee hinein fahrend, sollte direkt und mit einer eigenen Grünphase für Radfahrer diagonal über die Kreuzung auf einen Radweg in der Gartenallee möglich sein. Auch Abstellplätze oder -boxen für Lastenräder von Lindenern, die in der Nähe wohnen, wären denkbar.

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Angenehme und barrierefreie Durchgänge im Ihme-Zentrum für mehr Lebensqualität für die Bewohner und alle in der Stadt. Eine Idee des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.

Hast du eine Vision vom Ihme-Zentrum und dem Stadtteil für 2030?
Die völlig überdimensionierte und beileibe nicht hoch frequentierte Blumenauer Straße ist zurück gebaut, die Parkplätze sind verschwunden. Stattdessen führt ein breiter, grüner Boulevard, vergleichbar einer spanischen Rambla, auf der Linden zugewandten Seite entlang des Ihme-Zentrums. Der Großeigentümer hat das Buch „Städte für Menschen“ von Jan Gehl gelesen und verstanden, dass gut funktionierende Einkaufsstraßen eine kleinteilige Struktur brauchen. Daher befinden sich im Erdgeschoss des Ihme-Zentrums kleine Geschäfte, die sich in ihrem Angebot ergänzen, Cafés und städtische Einrichtungen wie ein Seniorentreff, eine Polizeiwache, ein Kindergarten usw. Auf der anderen Seite schwimmen Pontons auf der Ihme, die ein Fluss-Schwimmbecken mit Rutschen und Sprungtürmen umrahmen. Ruderboote und Kajaks liegen an Stegen und Ruheorte für alle Bewohner der Stadt oberhalb des Ufers laden zum Verweilen und Zuschauen ein. Eine Vision halt, aber was wären wir ohne sie?

Am 9. Februar um 18.30h lädt die Platzda!-Initiative ins Lindener Rathaus zur Infoveranstaltung „Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen (und Städten)?“. Die Initiative betreibt außerdem derzeit ein Crowdfunding auf Hannovermachen: https://projekte.hannovermachen.de/invest/platzda.

Oliver Thiele

Oliver Thiele wohnt seit 25 Jahren in Linden, ist Architekt und hat drei Kinder. Vor gut einem Jahr hat er die PlatzDa!-Initiative ins Leben gerufen. Mehr Infos: http://www.hannovercyclechic.wordpress.com

Januar 2017 – Wie das Ihme-Zentrum sicherer werden kann

Samuel Kirby www.samuelkirby.com

Bunt – so sah der britische Fotograf Samuel Kirby (www.samuelkirby.com) auf seiner Deutschlandreise 2015 das Ihme-Zentrum.

Für viele Außenstehende ist das Ihme-Zentrum ein gruseliger Ort. Und auch manche Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich an einigen Stellen nicht wohl. Doch es gibt Möglichkeiten, das Quartier sicher zu machen. Am 25. Januar erklären die Architektin Karin Kellner (Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung & Bund Deutscher Architekten) und der Stadtforscher Dr. Herbert Schubert (Sicherheitspartnerschaft im Städtebau Niedersachsen) bei einer Infoveranstaltung, wie ein besseres Sicherheitsgefühl im Ihme-Zentrum entstehen könnte. Worum es bei dem Thema geht, erklären die beiden bereits jetzt im Interview.

Sicherheit ist häufig ein subjektives Gefühl, wie misst man so etwas im Fall des Ihme-Zentrums?
Karin Kellner: Ob sich Menschen sicher fühlen oder nicht, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, die sich nur schwer messen oder empirisch darstellen lassen.  Gegenfrage: Wie misst man Schmerz? Die Mediziner bedienen sich einer Schmerzskala von 1-10, um ein Gefühl für die individuell gespürten Schmerzen eines Patienten bekommen zu können. Eine Skala anzulegen für die gefühlte Sicherheit im Ihme-Zentrum wäre in der Beantwortung dieser Frage vielleicht ganz hilfreich.

Herbert Schubert: Subjektive Sicherheit oder Unsicherheit stellt sich über die Wahrnehmung ein. In der Kriminologie wird von „Risikozeichen“ und von „Kontrollzeichen“ gesprochen, deren Wahrnehmung das Gefühl erzeugt. Typische Risikozeichen sind beispielsweise Unsauberkeit, Vandalismus, vernachlässigte Bausubstanz. Sie suggerieren, dass sich in dem Gebiet niemand um Ordnung kümmert, dass offensichtlich jede/r machen kann, was er/sie will – sich gehen lassen kann, weil sich eh niemand darum schert. Diese Risikozeichen haben im Ihme-Zentrum im Laufe der vergangenen Jahre beträchtlich zugenommen, weil sich der Haupteigentümer nicht richtig um das Quartier gekümmert hat. Typische Kontrollzeichen sind beispielsweise ein sauberer öffentlicher Raum, gepflegte Grünflächen – dies vermittelt den Eindruck: Hier kümmern sich die Leute um die Ordnung, hier muss ich mich quasi zusammenreißen. Wenn die Risikozeichen Überhand nehmen, leidet das Image des Quartiers und die Wege hindurch werden vermieden. Auch das ist kennzeichnend für den Verfall des Ihme-Zentrums im Laufe der vergangenen Jahrzehnte.

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In einer lebendigen Stadt sind rund um die Uhr Menschen unterwegs – zum Arbeiten, zum Wohnen, für Kultur und beim Ausgehen und um einfach dafür zu sorgen, dass der Laden läuft. So entsteht ein Gefühl von Nachbarschaft.

Wie würdet ihr das Thema Sicherheit im Ihme-Zentrum beschreiben?
Karin Kellner: Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Wenn dieses Grundbedürfnis in Bezug auf das Wohnumfeld außer acht gelassen wird, dann liegt ein Mangel vor, der sich auf viele Lebensbereiche der Bewohner negativ auswirken und mittel- bis langfristig auch Folgen für die Gesellschaft als Ganzes haben kann. Alleine die Durchwegung des Ihme-Zentrums wird zum Spießrutenlauf, dem man sich als Außenstehender nur ungern aussetzt, und in den Abend- und Nachtstunden lieber gänzlich meidet.

Herbert Schubert: Verschärfend kommt für das Ihme-Zentrum das hohe Maß an Unübersichtlichkeit durch die Komplexität der Gebäudestruktur hinzu. Transparente Quartiere mit klaren Sichtachsen vermitteln eher ein Sicherheitsgefühl, unübersichtliche Flächen mit tausend Ecken und sichtbehindernden Einbauten, wie das auf dem Gewerbeetage des Ihme-Zentrums der Fall ist, wirken beunruhigender. Wenn die unübersichtlichen und teilweise verwahrlosten Treppenauf- und -abgänge mit in Betracht gezogen werden, verschärft sich diese Wahrnehmung.

Copyright: Gerd Runge

Gute Zugänge, eine barrierefreie Durchfahrt und eine Möglichkeit, von Linden entspannt an die Ihme zu kommen. Das sind nur ein paar Ideen für eine Verbesserung des Ihme-Zentrums.

 

Warum ist es wichtig, dass es ein gutes Sicherheitsgefühl in einem Wohngebiet gibt?
Herbert Schubert: Als sicher wahrgenommene Räume werden gern aufgesucht, dort halten sich Menschen gern auf. Diese Belebung der Räume wiederum verstärkt die Sicherheitswahrnehmung, denn wo „viele Augen“ sind, verhalten sich Menschen überwiegend regelkonform. Der wesentliche Grund, warum es wichtig ist, dass es ein gutes Sicherheitsgefühl im Quartier gibt, ist das Image. In einem unsicheren Quartier besteht die Gefahr einer Abstiegsspirale: Dort will niemand leben, bestimmte Bevölkerungsgruppen wandern ab und weniger attraktive Gruppen ziehen hinzu, ein Preis- und Wertverfall kann einsetzen. Es ist schwierig und sehr aufwändig, wieder aus das Image der „NoGo“-Area loszuwerden, wie wir aus vielen Stadterneuerungsprojekten in Großwohnsiedlungen wissen.

Karin Kellner: Ich persönlich kenne aus meinem Umfeld niemanden, der für sich und seine Familie nicht in Anspruch nimmt, an einem Ort leben zu wollen, der uns die Sicherheit vermittelt, die wir zum Leben brauchen.

Nun gibt es Menschen, die fordern Kameraüberwachung für mehr Sicherheit. Ist das denn sinnvoll?
Karin Kellner: Aus eigenem Erleben möchte ich hierzu nur sagen, dass mir die physische Anwesenheit von Menschen, denen ich mich in Not bemerkbar machen kann, weit mehr Sicherheit verleiht, als eine Vielzahl von Kameras.

Herbert Schubert: Eine vollständige Kameraüberwachung ist nicht sinnvoll. Wo es möglich ist, muss die natürliche soziale Kontrolle der vielen Augen gestärkt werden. An neuralgischen Punkten, wo das nicht möglich ist, helfen oftmals nur Videokameras. Gute Erfahrungen wurden damit gemacht, wenn eine Concierge oder ein Doormann im Zugangsbereich die Monitore im Blick hat, so dass zeitnah interveniert werden kann.

Ein Garten blüht

Ein erstes Beispiel einer neuen Belebung im Ihme-Zentrum: Der Küchengarten, den einige Aktivisten seit April 2016 am Ihmeplatz 1 betreiben.

Was gibt es konkret für Möglichkeiten, im Ihme-Zentrum mehr Sicherheit herzustellen?
Karin Kellner: Diese Möglichkeiten ergeben sich durch die Umgestaltungen, die im Ihme-Zentrum stattfinden werden. Die Planungen sollten dabei zuvorderst die Menschen in den Fokus der Betrachtung rücken. Menschen, die sich in ihrer Umgebung sicher und damit wohl fühlen, bleiben auch. Alles andere wäre auf Dauer unwirtschaftlich und auch gesellschaftlich nicht tragbar.

Herbert Schubert: In der Veranstaltung werden wir Möglichkeiten aufzeigen, wie die Sicherheitswahrnehmung im Ihme-Zentrum verbessert werden kann. Zentrale Aspekte sind: die Verbesserung der Orientierung, eine klarere Abstufung zwischen öffentlichen und privaten Flächen, Transparenz und Überschaubarkeit, die Beleuchtung am Abend und die Rolle von „Kümmerern“ im Quartier.

Infoveranstaltung: Gefühlte Sicherheit im Ihme-Zentrum
Wann: 25. Januar 2017, 19.30h
Wo: Seminarräume von Ostland, Ecke Gartenallee/Blumenauerstraße
Eintritt frei

Januar 2017 – Fotoprojekt zum Ihme-Zentrum feiert Vernissage

Draußen und Drinnen

Rund ein Jahr hat der hannoversche Fotograf Simon Slipek das Ihme-Zentrum gemeinsam mit 60 Teilnehmern fotografisch entdeckt. Ab dem 11. Januar wird das Projekt im Rahmen einer Ausstellung in der Kunsthalle auf dem Faust-Gelände präsentiert. Im Interview erklärt Simon Slipek, was ihn an der Arbeit am meisten fasziniert hat und wieso der Kontrast zwischen der Eigenwahrnehmung der Bewohner und der Außenwahrnehmung so spannend ist.

Draußen und Drinnen heißt die von dir initiierte Fotoausstellung über das Ihme-Zentrum. Wie groß ist denn der Kontrast zwischen Innen- und Außenwahrnehmung?
Die Betroffenheit der Situation des Ihme-Zentrums ist groß. Man hat deutlich gemerkt, dass die Teilnehmer, die entweder im Ihme-Zentrum wohnen oder arbeiten, eine sichere innere Haltung zum Ihme-Zentrum haben, egal in welche Richtung. Die Teilnehmer, die im Stadtteil Linden leben, sind lockerer, romantischer und verspielter an das Projekt rangegangen. Es ist immer sehr viel schwieriger, seine engere Umgebung zu fotografieren, weil es schwieriger ist, noch was Neues zu sehen. Deswegen hatten alle Teilnehmer Schwierigkeit damit, nur eine begrenzte Anzahl von Fotos machen zu können. Dazu kommt noch, dass alle ihre Fotos sehr viel später erst gesehen haben und dann erst ihre Idee und ihre Wahrnehmung benutzt haben, um ihre Fotostrecke zu bauen. Das Ergebnis von Innen, wie von Außen ist erschreckend gut geworden.

Draußen und Drinnen

Wie kamst du darauf, dich auf diese Weise mit dem Zentrum zu beschäftigen?
Da ich als Hannoveraner die Stadt sehr gut kenne, hat es mich überrascht, nicht das Innere des Zentrum zu kennen. So kam ich zu der Idee, eine Fotostrecke zu machen um das Innere zu zeigen. Die Idee mit dem Workshop und den Einwegkameras hat sich aus der politischen Situation des Zentrums entwickelt. Es ist schön, dass sich ein Profi fotografisch mit dem Zentrum beschäftigt und sein Statment abgibt – aber wichtiger ist es, die Menschen, die sich Tag täglich mit dem Ihme-Zentrum beschäftigen, zu zeigen und somit Teilhabe zu ermöglichen. Menschen anhand einer Einwegkamera eine Stimme zu geben, die bleibt, das war das Wichtigste an diesem Projekt.

Hast du selbst eine Vision von einem besseren Ihme-Zentrum?
Auf jeden Fall. Das Ihme-Zentrum ist der wichtigste Wohnraum Hannovers. Jeder der auf der 2. Etage auf einem Balkon die unglaubliche Aussicht erleben durfte, wird sich in das Zentrum verlieben. Alle sind der Meinung, der aktuelle Zustand geht nicht. Wie oft hat die Vergangenheit das Gegenteil bewiesen? Ich bin für mehr Wohnraum und kreative Angebote für Jung und Alt.

„Draußen und Drinnen“ in der Kunsthalle Faust
Ausstellungsdauer: Donnerstag, 12. Januar, bis Sonntag, 29. Januar 2017
Vernissage: Mittwoch, 11. Januar, 19 Uhr
Öffnungszeiten Kunsthalle Faust: Do und Fr 16-20 Uhr, Sa und So 14-18 Uhr
Eintritt kostenlos

Frohes neues Jahr

Auf diesem Weg allen ein frohes neues Jahr!

Das Foto ist vom Fotografen und Ihme-Zentrums-Bewohner Benny Rebel