Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

„Das Ihme-Zentrum muss zum Alleinstellungsmerkmal werden“

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Volles Haus im Capitol: Die Menschen interessiert die Zukunft des Ihme-Zentrums sehr.

Vor vollem Haus machten sich am Dienstagabend die Politiker der Landeshauptstadt Hannover stark für eine sogenannte Vorbereitende Untersuchung im Ihme-Zentrum. Diese Inventur muss im Stadrat beschlossen werden und untersucht, ob ein Stadtviertel unter baulichen Mängeln leidet und ob sich die Eigentümer vor Ort weigern, Renovierungsarbeiten vorzunehmen.

Das Capitol in Hannover ist voll. Die rund 200 Sitzplätze unten sind belegt, dahinter, daneben und oben auf der Empore drängen sich die Menschen – sie sind gekommen, um zu erfahren, wie die Politik in der Landeshauptstadt das Ihme-Zentrum revitalisieren möchte. Auf dem Podium sitzen neben Moderator Jan Egge Sedelies die Vertreter der demokratischen Parteien im Stadtrat: Felix Blaschzyk (CDU), Daniel Gardemin (Grüne), Ewald Nagel (SPD), Gerhard Kier (FDP) und Dirk Machentanz (Die Linke). Im Rahmen des Kommunalwahlkampfes wollen die Politiker die Positionen ihrer Parteien zur aktuellen Situation im Ihme-Zentrum vorstellen. Ein Thema, das in den vergangenen Monaten heftig diskutiert wurde, nachdem Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) dem Großeigentümer Intown ein Ultimatum gestellt hat, um ein Konzept vorzulegen.

Entgegen mancher Erwartung sind sich die fünf Politiker auf der Bühne des vollen Capitols sehr schnell auf wesentliche Punkte einig und blieben dabei stets sehr freundlich und konstruktiv: Das Ihme-Zentrum darf nicht abgerissen werden, und es braucht mit der sogenannten Vorbereitenden Untersuchung eine Art Inventur, um die Situation vor Ort von Experten bewerten zu lassen. Dazu hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht, der eine juristische und architektonische Grundlage für eine nachhaltige und kreative Transformation des Viertels bietet. Alle Parteien bewerteten diese zehn Thesen als wertvoll und ideal geeignet, um das Thema im Stadtrat und in den Dezernaten einmal komplett neu anzugehen.

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Freundlich und konstruktiv diskutierten die Vertreter über eine bessere Zukunft für das Quartier.

„Wir brauchen eine Vorbereitende Untersuchung“, so Daniel Gardemin in seiner Forderung, der sich alle Politiker anschlossen und die im Publikum laut beklatscht wurde. Der Grünen-Politiker sieht in dem Quartier einen idealen Möglichkeitsraum für Gärten zwischen und auf den Häusern, für eine Energieversorgung mit Solarzellen und für Urban Farming im Gewerbebereich, bei dem Lebensmittel in Kreislaufsystemen hergestellt wird. „Im Stadtteil Linden wird viel ausprobiert, warum lassen wir dann beispielsweise nicht einen Künstler die Fassaden des Zentrums gestalten?“, so Gardemin, der dafür lauten Applaus genoss.

Der CDU-Politiker Felix Blaschzyk ging sogar weiter: „Das Ihme-Zentrum muss zum überregionalen Alleinstellungsmerkmal werden.“ Durch bessere Wegeverbindungen, indem beispielsweise die Stadt den Ihmeuferweg kauft, würde das Quartier besser mit Hannover verbunden. „Auch kann ich mir vorstellen, dass sich hier die Start-up-Szene wohl fühlt.“ Viele Gründer und Vertreter der Wirtschaft Hannovers waren im Publikum anwesend und reagierten mit lautstarker Zustimmung. Damit seine Forderung realistisch wird, schlug Blaschzyk die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft durch die Stadt vor, die das Ihme-Zentrum über Jahre revitalisiert und die Flächen an einzelne Interessenten vermieten oder verkaufen könnte.

Dem FDP-Vertreter Gerhard Kier war eine Verbesserung des Umfeldes des Ihme-Zentrums wichtig. „Die Blumenauerstraße im Süden muss zu einer richtigen Straße werden. Hier kann die Stadt zeigen, wie ernst sie es mit der Integration des Quartiers in sein Umfeld meint.“ Auch sollte die sanierte, aber bislang leer stehende Tiefgarage für Nutzer frei gegeben werden. Etwas, das der Linken-Politiker Dirk Machentanz unterstützte: „Uns wären vor allem bezahlbare Wohnungen im Ihme-Zentrum wichtig.“

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Gerd Runge von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum präsentierte die zehn Thesen des Vereins zur nachhaltigen und kreativen Revitalisierung des Quartiers.

Der SPD-Politiker Ewald Nagel wagte zwar keine große Vision, betonte aber das Engagement seiner Partei für das Quartier: „Ich wünsche mir ein lebendiges Ihme-Zentrum. Damit das gelingt, brauchen wir die gesamte Stadtgesellschaft“, appelierte er ans Publikum, die ihm lautstark unterstützten. Als Mehrheit im Rat sollte seine Partei eine Aktualisierung des Zustandsberichts im Quartier planen, schlug Nagel vor. Dies könnte durch eine neue Vorbereitende Untersuchung gemacht geschehen. „Die zehn Handlungsempfehlungen der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum sind sehr praktikabel und bieten für die Entwicklung des Quartiers eine gute Lösung“, so Nagel.

Mit einer positiven Grundstimmung und weitestgehender Einigkeit endete der Abend. Die Forderung eines Manns aus dem Publikum, das Ihme-Zentrum in einer gemeinsamen Aktion zu besetzen, wurde lachend zur Kenntnis genommen. Gerne hätte das Publikum den Großeigentümer Intown zu den besprochenen Themen befragt, doch trotz Einladung war weder ein Vertreter des Berliner Unternehmens vor Ort, noch jemand von der Quartiersverwaltung Cardea. Nun bleibt es abzuwarten, wie sich die Politiker nach der Kommunalwahl am 11. September an ihren Versprechen für eine bessere Zukunft des Quartiers erinnern und dementsprechend handeln.

Hier gibt es die zehn Schritte für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums zum kostenlosen Download.

Danke an die exposive Mediengruppe für die tolle Betreuung und Technik vor Ort. Und danke an Hannover Concerts, dass sie uns das Capitol zur Verfügung gestellt haben!

10 Thesen für die Revitalisierung des Ihme-Zentrums

1. These
Das Ihme-Zentrum ist eine stadtgesellschaftliche Herausforderung. Es geht darum, dem Ihme-Zentrum eine Zukunftsperspektive zu geben – der Abriss ist keine Option. Die Übernahme des Intown-Eigentums durch die Stadt steht nicht zur Diskussion.

2. These
Etwa 225.000 m² der ca. 285.000 m² Gesamtfläche im Ihme-Zentrum funktionieren im Grundsatz. Bei diesen Flächen anstehende Sanierungen können und müssen privatrechtlich gelöst werden. Dies liegt in der Verantwortung der jeweiligen Eigentümer.

3. These
Das Gemeinschaftseigentum im Sockelgeschoss (ca. 13.000 m²) muss neu geordnet werden, denn mit der jetzt gültigen Teilungserklärung ist ein Zukunftskonzept nicht realisierbar.

4. These
Der Rat der Landeshauptstadt sollte kurzfristig nach der Kommunalwahl Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 des Baugesetzbuches (BauGB) in Auftrag geben. Nach Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung ist zu bewerten, ob eine Erhaltungssatzung nach § 142 BauGB oder eine Ausweisung als „Stadtumbaugebiet West“ nach § 171d BauGB für die Neuregelung der Eigentumsverhältnisse im Sockelgeschoss zielführend sein kann.

5. These
Wenn die Gemeinschaftseigentumsflächen neu geregelt sind, gibt es für die Sockelgeschossetagen eine gute Perspektive für die Zukunft!

6. These
Für eine gelingende Revitalisierung und Integration des Quartiers in seine Umgebung müssen die Wegeverbindungen im Ihme-Zentrum und die Vorflächen zur Ihme öffentlich werden und in die Zuständigkeit der Stadt übergehen (insgesamt ca. 15.000 m²).

7. These
Sinnvoll sind stadtteilbezogene Einkaufsflächen mit Bezug auf die Wegeverbindungen an den beiden Kopfseiten des Sockelgeschosses in einer Größe, die den Konkurrenzdruck zu den Geschäften in den angrenzenden Stadtbereichen nicht zu groß werden lassen.

8. These
Zum Sanierungskonzept sollten der Rückbau der Überdachung der Ihmepassage und der Umbau in begrünte und den Bewohnern zum Aufenthalt vorbehaltene Blockinnenbereiche gehören. Hierdurch wird es möglich und wirtschaftlich tragfähig, im Bereich zwischen Ihmepassage und Blumenauer Straße oberhalb der Straßenebene ca. 10.000 m² zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

9. These
Die übrigen ca. 30.000 m² im Sockelgeschoss vorrangig auf der Straßenebene eignen sich sehr gut für Gewerbe, Kultur, Dienstleistungen, Gesundheitsprojekte, Gastronomie, etc..

10. These
Die Stadt Hannover schließt mit Intown für die jetzt genutzten ca. 28.000 m² Büroflächen und, wenn enercity ausziehen sollte, auch für deren ca. 30.000 m² für aus dem Stadtgebiet zusammengezogene Behörden, einen neuen 20-Jahres-Mietvertrag. Dies geschieht jedoch nur dann, wenn Intown die in den folgenden kommunalpolitischen Handlungsempfehlungen dargestellten Bedingungen erfüllt.

Die Thesen wurden vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im Sommer 2016 erarbeitet. Das gesamte Thesenpapier „10 Schritte zum Glück“ mit detaillierten Erläuterungen und Handlungsempfehlungen steht hier zum kostenlosen Download.

Copyright: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Das Konzept wird am 23. August bei einer Podiumsdiskussion im Capitol (Schwarzer Bär 2) vorgestellt. Einlass ist ab 17.30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

August 2016 – Das Ihme-Zentrum als Teil einer Theater-Wanderung

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Die Geschichte des Ihme-Zentrums könnte sicher Inhalt ein eigenes Theaterstück sein. Für die Theatergruppe Frl. Wunder AG des Freien Theater Hannover ist das Quartier schon jetzt ein spannender Ort, um Teil einer Wanderung durch Hannover zu sein. Mit-Initiator Micha Kranixfeld erzählt, warum das Zentrum ab morgen Teil einer Inszenierung ist:

Für unser Projekt „Wegefreiheit“ haben wir uns nicht nur auf die Suche nach ungewöhnlichen Routen durch Hannover begeben, sondern auch nach Orten gesucht, an denen sich Visionen von Arbeit und Freizeit manifestieren. Im Ihme-Zentrum werden die urbane Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses Themas gleichzeitig sichtbar. Von der mechanischen Weberei des „Lindener Samts“ über den Beton gewordenen Traum von Arbeit, Wohnen und Freizeit in Einem bis hin zur Vision einer nachhaltigen neuen Zukunft, die der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum oder das Team des Palettengartens von Transition Town Hannover jetzt formulieren.

Die Theater-Wanderung der Frl. Wunder AG findet zwischen dem 13. August und 25. September an verschiedenen Terminen statt. Alle Infos und Tickets gibt es hier.

Juli 2016 – Das Ihme-Zentrum als beliebtes Fotomotiv

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„Ich fotografiere das Ihme-Zentrum sehr gerne, da das Ihme-Zentrum für mich einen ganz eigenen persönlichen Charme hat, den man mit jedem Foto immer wieder neu entdecken kann!“ Sabine

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„Der Anblick des Wohnkomplexes am Ihme-Ufer ist gewaltig, vor allem bei sommerlichem Licht am Spätnachmittag. Mich fasziniert die bunte Skyline vom anderen Flussufer genauso wie die grauen und dunklen Verzweigungen im Inneren des Zentrums. Trotz der abgesperrten Bereiche und dem Leerstand der Schaufenster fühlt und sieht man noch Leben im Ihme-Zentrum. Ich freue mich über die bisherige Erhaltung des Komplexes, jedoch erachte ich ihn als viel zu spannend, um ihn so ungenutzt zu lassen. Die Vielseitigkeit und Authentizität der Location macht sie natürlich auch fotografisch interessant. Ich freue mich schon auf den nächsten Spaziergang auf beiden Uferseiten, ob mit oder ohne Kamera!“ Max

Echte Konzepte für eine bessere Zukunft

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Am 23. August präsentiert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept zur Revitalisierung des Ihme-Zentrums im Capitol (Schwarzer Bär 2). Im Anschluss diskutieren die Vertreter der Fraktionen im Stadtrat über die Zukunft des Quartiers.

Am Schluss der Veranstaltung bekommt das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Die Veranstaltung ist für alle Gäste kostenlos und wird von dem Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum in Kooperation mit dem Capitol und der exposive Mediengruppe organisiert.

Wann: 23. August – 18 Uhr, 17.30 Uhr Einlass
Wo: Capitol Hochhaus (Schwarzer Bär 2)
Eintritt: kostenlos

Hier findet ihr die Veranstaltung bei Facebook.

Juli 2016 – Das Ihme-Zentrum als Konzertsaal

Bei der ArchitekturZeit des Bundes Deutscher Architekten (BDA) Niedersachsen im Ihme-Zentrum verwandelte das Orchester im Treppenhaus das Quartier zu einem Konzertsaal. Wieso sich das Zentrum so gut für Musik eignet und welches Potenzial die Musiker dort sehen, erklärt Mitglied Yannick Hettich.

Ihr wart im Rahmen der ArchitekturZeit als Orchester im Ihme-Zentrum. Was genau habt ihr da gemacht?
Unsere Aufgabe als Orchester war es, das Ihme-Zentrum musikalisch begehbar zu machen. Das heißt, das Publikum den Raum durch die Musik erschließen zu lassen. An verschiedenen Orten des Ihme-Zentrums waren Musiker platziert. So spielte beispielsweise ein Tubist in der Tiefgarage, ein Fagott im Treppenhaus oder eine Trompete auf einem Dachvorsprung. Diese verschiedenen Stationen beschrieben eine Route, welche das Publikum durchlaufen hat, und somit das Ihme Zentrum auf offene und freundliche Art kennengelernt.

War das euer erstes Konzert im Quartier?
Das Orchesters im Treppenhaus ist dafür bekannt an ungewöhnlichen Orten aufzutreten. So haben wir beispielsweise auch schon mal am Lindener Hafen auf einem Kran gespielt oder etwas konservativer spielen wir jedes Jahr im August in Kooperation mit Feinkost Lampe in der St. Martins Kirche. Somit gibt es schon eine gewisse Verbundenheit mit Linden. Im Ihme-Zentrum war es jedoch unser erstes Projekt.

Könntet ihr euch vorstellen, so etwas zu wiederholen?
Sehr gerne. Es gibt einfach sehr magische Orte in dem Komplex. Besonders interessant war bei diesem Projekt der extreme Kontrast, den die Musiker, die in Abendgarderobe spielten, zu der Kulisse boten.

Welches Potenzial seht ihr im Ihme-Zentrum? Könnte es dort Konzert- und Proberäume geben z.B.?
Ich denke, das Gebäude hat einen ganz eigenen Charme und auch eine gewisse Schönheit. Auch die Stimmung in dem Gebäude ist extrem spannend. Viele Orte dort haben eine sehr gute oder auch sehr interessante Akustik. Da kann man sehr viel mit experimentieren. Es gibt dort ja schließlich viel ungenutzten Raum. Da ließe sich sehr viel machen.

Juni 2016 – Ein Bücherschrank für das Ihme-Zentrum

Haussprecherin Britta Zogall und der Bezirksbürgermeister von Linden-Limmer Rainer-Jörg Grube weihen den Offenen Bücherschrank im Ihme-Zentrum ein.

Ab sofort gibt es im Ihme-Zentrum einen Offenen Bücherschrank. Jeder darf dort Bücher reinstellen und/oder mitnehmen. Initiiert hat das Projekt die Haussprecherin und Ihme-Zentrums-Bewohnerin Britta Zogall. Im Interview erklärt sie, wie durch so ein Projekt die Nachbarschaft belebt werden kann.

Sie haben sich dafür eingesetzt, dass das Ihme-Zentrum einen eigenen Offenen Bücherschrank bekommt. Was ist das genau?
Das ist ein von dem Werkstatt-Treff Mecklenheide gebauter Schrank, der nun an einem zentralen Platz im Ihme-Zentrum steht: am Fuß der Ihmepassage 2/Ecke Ida-Arenhold-Brücke. Er ist für jeden zugänglich und wird unterstützt vom Stadtbezirksrat Linden-Limmer.  Man kann einfach Bücher hineinstellen und auch welche herausnehmen. Völlig kostenlos.

John Winston Berta

Zur Einweihung hat der hannoversche Songwriter John Winston Berta ein paar Lieder gespielt.

Sie sind selbst Bewohnerin des Ihme-Zentrums. Kann so ein Bücherschrank auch ein Anfang sein, um einen Austausch in der Nachbarschaft zu ermöglichen?
Das ist genau das, was ich mir davon erhoffe. Und natürlich auch, dass die Menschen zum Lesen animiert werden. Vielleicht sogar Kinder.

Welche Vision haben Sie vom Ihme-Zentrum in 10 bis 20 Jahren?
Dass wir vielleicht viele solcher Orte im Ihme-Zentrum haben. Egal, ob man sich zum Klönen trifft oder um Sport zu machen, gemeinsam zu spielen oder Kunst auszustellen.

Britta Zogall ist Bewohnerin und Haussprecherin im Ihme-Zentrum.
Mehr zu den Bücherschränken der Landeshauptstadt Hannover.

Juni 2016 – Das Ihme-Zentrum als Ort für Kultur

Slackliner im Ihme-Zentrum

Auch das ist Kreativität: Slackliner zwischen Ihme-Zentrum und dem anderen Ufer.

Das Ihme-Zentrum als Ort der Kultur und Kreativität? Für viele Menschen ist das eine natürliche Verbindung. Auch das Kulturdezernat von Hannover sieht das so und unterstützt deshalb Initiativen im Quartier. Im Interview erklärt Dezernent Harald Härke, was bereits passiert ist und welche Vision er für das Ihme-Zentrum hat.

Sie haben im Mai ein Netzwerktreffen mit der Kunst- und Kulturszene im Ihme-Zentrum veranstaltet: Was war der Auslöser?
Bei uns im Kulturdezernat häuften sich die Anfragen nach einer temporären oder dauerhaften kulturellen Nutzung im Ihme-Zentrum.  Die Idee war es, statt permanenter Einzelgespräche ein Netzwerktreffen mit allen Interessierten stattfinden zu lassen und somit Ideen in großer Runde auszutauschen. 
Die Veranstaltung sollte der erste Schritt sein, um gemeinsam eine kulturelle Transformation entstehen zu lassen. Dabei  ist es mir wichtig, dass wir die Kultur nicht selbst machen. Das Kulturdezernat hat  vielmehr die Rolle des Vermittlers und kann Rahmenbedingungen schaffen.

Die Teilnehmenden diskutierten über verschiedene Aspekte der Kultur im Ihme-Zentrum.

Was ist bei dem Netzwerktreffen passiert?
Zunächst gab es mit Impulsvorträgen ausreichend Input von Kulturmanagern anderer Städte, die einen ähnlichen Transformations- und Beteiligungsprozess begleitet haben. Im Anschluss haben wir alle Künstler und Kulturschaffende an Thementische gebeten, um sich mit ihren Ideen zur kulturellen Entwicklung des Ihme-Zentrums auszutauschen und dabei entweder konkrete Vorhaben zu benennen oder sich Gleichgesinnte zu suchen. Die Ideen wurden gesichtet und gesammelt, um damit weiterzuarbeiten.
Besonders gefreut habe ich mich über die positive Stimmung auf der Veranstaltung und die Euphorie der Teilnehmer, dass wir als Stadt (oder: Kulturdezernat) eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums befürworten und auch unterstützen.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Früher war hier der Saturn Elektronikmarkt, nun könnten hier ganz viele andere tolle Dinge entstehen. Zum Beispiel Kultur.

Was machen Sie mit den Ergebnissen?
Die Ergebnisse der Thementische stellen wird allen Teilnehmern zur Verfügung. Ich hoffe, dass wir alle Anwesenden motiviert haben, sich im Ihme-Zentrum kulturell zu engagieren. Wir werden weiterhin Back-up geben und wenn es erforderlich ist, die entsprechende Vermittlertätigkeit ausfüllen.  Mit dem neu gegründeten Verein „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“  wird es eine Kooperation geben. 
Gerade sind wir dabei, weitere Veranstaltungen und Schritte zu planen, damit wir den positiven Geist dieser Veranstaltung aufrecht erhalten und eine kulturelle Belebung des Ihme-Zentrums tatsächlich realisiert werden kann.

Allen war eine Nachhaltigkeit der Kultur sehr wichtig.

Welche Vision haben Sie persönlich für das Ihmezentrum?
Ich wünsche mir natürlich, dass die Idee eines spartenübergreifenden Kulturzentrums im Ihme-Zentrum realisiert wird. Dabei ist es wichtig, „Kultur mit allen“ in die Tat umzusetzen und soviel Teilhabe dafür zu schaffen, wie es möglich ist. Eine gute Mischung aus sogenannter Hochkultur und Off-Szene in Kombination mit ganz neuen, innovativen Formaten. Ich finde es spannend, einen solchen Prozess zu begleiten und die Kunst- und Kulturszene dabei zu unterstützen, das Ihme-Zentrum zu erobern und hier etwas Wertvolles und Nachhaltiges zu schaffen.

Harald Härke, Personaldezernent Landeshauptstadt Hannover.Harald Härke ist Kultur- und Personaldezernent der Stadt Hannover

Juni 2016 – Die ArchitekturZeit im Ihme-Zentrum

Der Himmel über dem Quartier

Vom 23. bis 25. Juni wird das Ihme-Zentrum zum Festivalort. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) in Niedersachsen hat drei Tage lang Aktionen, Informationsveranstaltungen und Kultur auf einer temporären Bühne geplant. Der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum unterstützt die Veranstaltung. Im Gespräch erklärt der BDA Vorsitzende Harald Kiefer, was genau die Architekten vorhaben und warum das Ihme-Zentrum so spannend ist.

Lieber Herr Kiefer, was ist die ArchitekturZeit?
Die ArchitekturZeit ist für uns Architekten die Möglichkeit, gebündelt an ein paar Tagen zu zeigen, was die Architektur kann und mit welchen Themen wir uns beschäftigen. Für uns ist das wie bei der Biennale in Venedig: Man tauscht sich aus, kommt in Kontakt mit der Öffentlichkeit und beschäftigt sich mit Architektur.
Die erste Ausgabe gab es 2007, als wir den damaligen Tunnel unter dem Friedrichswall bespielt haben. Wir haben uns dabei von der Architekturwoche in München und Köln inspirieren lassen und vom Architektursommer in Hamburg. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg, und seitdem macht der Bund Deutscher Architekten (BDA) die ArchitekturZeit gemeinsam mit der Architektenkammer, die das Ganze koordiniert.
Wir beteiligen uns nur alle drei Jahre, da wir die Organisation ja komplett ehrenamtlich und neben unserer Arbeit machen. Aber in diesem Jahr wollten wir wieder ein wenig mehr machen. Deswegen gehen wir ins Ihme-Zentrum.

Warum ist das Ihme-Zentrum für Sie interessant?
Das Ihme-Zentrum ist ein spannendes Bauwerk, aber das reicht noch nicht. Um das Faszinierende an dem Quartier zu verstehen, muss man darüber nachdenken, was in der Planungsphase der frühen 1960er-Jahre alles passiert ist. Es war die Zeit, als der Mensch zum Mond geflogen ist. Ich selbst saß damals als Kind auf dem Sofa und habe das im Fernsehen angeschaut. Die Gesellschaft als Ganzes war in einer unvergleichlichen Aufbruchsstimmung. Technik per se hat begeistert. Autos, Flugzeuge, alles Technische hat damals fasziniert.
Und so war es auch in der Architektur: Es gab tolle Pläne für komplett neue Städte, und gleichzeitig gab es die Diskussion um die Urbanität durch Dichte. Das hat in Hannover zu Gebäuden geführt wie das Bredero-Hochhaus am Raschplatz, das inzwischen rückgebaute Kröpcke-Hochhaus und eben dem Ihme-Zentrum. Es ist der große Dampfer, der auf der Ihme entlang kam und in Linden angedockt ist.

Copyright: Gerd Runge

So könnte ein neues Wegesystem im und um das Ihme-Zentrum aussehen. Grafik: Gerd Runge

Wie kann Architektur helfen, dass aus diesem stigmatisierten Quartier ein neues Wahrzeichen für Hannover werden kann?
Das Ihme-Zentrum ist ein Zeichen für die Zeit und prototypisch. Es muss gelingen, dass man diese Faszination, die damals existiert hat, ansatzweise in den Menschen hervorzurufen. Dann kann man eine Zukunft des Ihme-Zentrums erreichen. In der Bevölkerung braucht es wieder ein positives Bewusstsein für das Quartier. Als BDA wollen wir da mit dazu beitragen, dass es wieder eine positive Auseinandersetzung mit dem Quartier gibt.

Welche Vision haben Sie für das Ihme-Zentrum 2030?
Ich selbst habe keine konkrete Idee, da sind eher die gefragt, die dort Eigentum haben. Deshalb finde ich es persönlich sehr schade, dass der Vertreter des Großeigentümers Intown unsere Einladung bislang nicht angenommen hat. Wir haben dem Eigentümer sogar einen persönlichen Brief geschrieben. Wenn es so eine große Veranstaltung dort gibt, fände ich es schön, wenn der Eigentümer dort seine Vision vorstellt. Und er wäre ja in guter Gesellschaft: Schließlich hat der Oberbürgermeister Stefan Schostok für die Eröffnung und die Podiumsdiskussion zugesagt. Und das ist doch beachtlich!

Geometrie

Das Programm
Eröffnet wird das Ganze am Donnerstag um 19 Uhr vom Landesvorsitzenden des BDA Niedersachsen, Harald Kiefer, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Stefan Schostok sowie dem Verwalter des Ihme-Zentrums, Torsten Jaskulski.
Ab 19.30 Uhr gibt es einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Quartiers durch den Architekten und 2. Vorsitzenden des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, Gerd Runge.
Um 20 Uhr wird es ein vom HAZ-Redakteur Conrad von Meding moderiertes Podiumsgespräch mit den Zeitzeugen Hand Dieter Keyl, einer der Architekten des Quartiers, Prof. Ekkehard Bollmann sowie dem Bauhistoriker Sid Auffarth geben.
Der Abend endet um 21 Uhr mit dem Amalia-Streichquartett.

Am Freitag werden ab 17 Uhr Studien für das Ihme-Zentrum gezeigt: Die Architekten Frank Eittorf, Felix Henri Rebers, Moritz Othmer und Gerd Runge zeigen ihre Entwürfe für eine alternative Entwicklung.
Um 17.45 Uhr präsentiert Constantin Alexander sein Projekt „Ihme-Zentrum – ein neues Wahrzeichen für Hannover“.
Um 18.30 Uhr zeigt das „Labor“ im Kreativquartier München der Gruppe teleinternetcafe die Arbeit „Ein entschleunigtes Stück Stadt“.
Um 19.15 Uhr hält die Architektin und Bauhistorikerin Dr. Karen Beckmann ihren Vortrag „Urbanität durch Dichte“.
Um 20 Uhr stellt Prof. Dr. Herbert Schubert von der Hochschule Köln einen Vortrag zum Thema „Soziale Sicherheit in hochverdichteten Gebäudekomplexen“.
Der Abend endet um 21 Uhr mit Musik der Band Stray Mood.

Der Samstag startet um 15 Uhr mit einer Übertragung des Achtefinales der Fußball-Europameisterschaft, sollte die deutsche Nationalmannschaft beteiligt sein.
Parallel gibt es (Wohnungs-)Besichtigungen und Rundgänge durchs Quartier. Bitte unter http://www.bda-niedersachsen.de anmelden!Um 19.15 Uhr stellen Filmemacher und Medienwissenschaftler Hendrik Millauer und Constantin Alexander einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Film „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ vor.
Ab 19.30 Uhr gibt es dann eine vom HAZ-Redakteur Jan Egge Sedelies modierte Podiumsdiskussion zu möglichen Zukunftszenaruen des Quartiers. Eingeladen sind Stefan Schostok, Oberbürgermeister Landeshauptstadt, Torsten Jaskulski, Verwalter des Ihme-Zentrums und Constantin Alexander als 1. Vorsitzender des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum.
Als Abschluss der ArchitekturZeit spielt ab 21 Uhr das Orchester im Treppenhaus.

Bund Deutscher Architekten

Der Bund Deutscher Architekten BDA in Niedersachsen ist eine Vereinigung freiberuflich tätiger Architekten.

Juni 2016 – „Wir fordern eine vorbereitende Untersuchung“

Der Himmel über dem Quartier

Die Überlegung der Landeshauptstadt Hannover, das Ihme-Zentrum abzureißen, führt zu Angst und Wut bei den Bewohnern. Angesichts der Situation fordert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum vom Stadtrat die Abstimmung für eine vorbereitende Untersuchung. Dies käme einer Inventur aller Missstände gleich. Doch auch der  Großeigentümer Intown sollte endlich Pläne für die Revitalisierung des Quartiers vorzeigen. Ein Überblick über die aktuelle Situation.

Seit einigen Tagen fühlt sich das Leben im Ihme-Zentrum an, als sei eine Bombe explodiert. Anfang Juni hat die Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover dem Großeigentümer im Ihme-Zentrum, dem Unternehmen Intown, eine Frist gesetzt, bis wann dieser ein Konzept für die Sanierung abgeben muss. Andernfalls sucht sich die Stadt für die rund 1.000 Beschäftigten, die in verschiedenen Fachbereichen im Ihme-Zentrum arbeiten, neue Büroräume. Am Donnerstag, 9. Juni, ist dazu um 13.30 Uhr eine Sitzung des Stadtrats und des zuständigen Bezirksrats Linden-Limmer geplant. Das Ganze findet im Rathaus statt. Hier alle Infos.

Das ehemalige Einkaufszentrum

Zusammen mit der Frist-Ankündigung wurde außerdem alle Details zu den Mietverhandlungen der Stadt öffentlich zugänglich gemacht. Auch das schlimmste Szenario kommt da vor: der Arbiss des Quartiers. Auch wenn diese Alternative höchst unwahrscheinlich ist, wie ich hier schon aufgeführt habe: Die Menschen im Ihme-Zentrum haben Angst. Mehrmals am Tag unterhalte ich mich mit Nachbarn, die entweder geschockt sind oder wütend. Die nicht hinnehmen wollen, dass ihre Heimat abgerissen werden könnte und die nicht verstehen, warum der Eigentümer hier seit anderthalb Jahren nichts macht, außer altes Mobiliar aus einem anderen Haus „zwischenlagert“.

Sie haben Verständnis für die Stadt, die als Mieterin und Arbeitgeberin die unhaltbaren Zustände in den Bürobereichen nicht mehr tragen kann und will. Aber sie fühlen sich allein gelassen. „Unsere Wohnungen sind auf einmal wertlos geworden“, erzählt eine langjährige Bewohnerin. Ein anderer: „Die Politik darf uns doch nicht im Stich lassen, hier leben Tausende Menschen.“ Viele machen in ihrer Wut den Großeigentümer Intown verantwortlich, der rund 83 Prozent des Viertels besitzt und seit dem Kauf im Februar 2015 kein Konzept für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums vorgelegt hat.

Wasser

Unterdessen fordert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum in einem offiziellen Statement vom 8. Juni eine vorbereitende Untersuchung: „Der Verein sieht die Entscheidung des Oberbürgermeisters, nach alternativen Standorten zu suchen als richtig und fordert vom Großeigentümer die kurzfristige Vorlage eines realistischen Sanierungskonzeptes. Gleichzeitig muss sich die Landeshauptstadt Hannover ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein: Ein Abriss des Ihme-Zentrums ist keine Alternative. Um die infrastrukturellen und juristischen Probleme im Quartier zu lösen, fordert der Verein eine formelle, vorbereitende Untersuchung, die im Stadtrat beschlossen werden muss.

Wir wünschen uns von den Mitgliedern im Stadtrat eine Entscheidung FÜR die im Städtebaurecht verankerte, sogenannte vorbereitende Untersuchung im Ihme-Zentrum. Dies kommt einer Inventur aller Missstände im Quartier gleich – sowohl auf der baulichen und technischen Ebene als auch bei den schwierigen Eigentumsverhältnissen.

Gleichzeitig fordern wir den Großeigentümer auf, endlich seine Planung mit konkreten Zeitschritten für die Sanierung des Gebäudebestandes vorzulegen, damit sowohl die Stadt als Mieterin, als auch die mehr als 2.500 Bewohner Klarheit über ihre Zukunft bekommen“, schreiben die beiden Mitglieder des Vereins, Karin Kellner und Gerd Runge.

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum fordert vorbereitende Untersuchung

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