Ein neues Wahrzeichen für Hannover

Warum das Ihme-Zentrum eine Chance und keine Bauruine ist.

September 2016 – Das Ihme-Zentrum zum Anziehen

Copyright: VICINITY

Das Ihme-Zentrum wird zum Modemotiv. Die Designer des hannoverschen Labels VICINITY haben das Quartier auf Shirts abgebildet. Wieso das Zentrum mit seiner herausfordernden Gestalt anziehend wirkt, erklären die Designer Alex und Miro im Interview.

Ihr habt ein Shirt mit dem Ihme-Zentrum als Motiv gemacht. Warum fasziniert euch das Gebäude?
Das erste, was uns zum Ihme-Zentrum einfällt ist, dass es einen dreckigen, aber für uns schönen, Charakter hat, der für viele abschreckend ist. Viele sehen das Ihme-Zentrum mittlerweile als Schandfleck an. Für uns wäre Hannover ohne das Ihme-Zentrum jedoch unvorstellbar. Es gehört ganz klar zum Stadtbild dazu. Es gibt einfach etliche Erinnerungen / Erlebnisse, die wir mit dem Ihme-Zentrum verbinden.

Welche Bedeutung hat das Quartier für euch in Punkto Design und Gestaltung?
Es bricht mit seinem optischen Erscheinungsbild komplett aus dem restlichen Stadtbild heraus. Wir würden es auf keinen Fall architektonisch als schön beschreiben, jedoch macht auch grade dieser abgefuckte Look das Ihme-Zentrum für uns aus. Würde es sich hier nicht um einen großen unfertigen Betonklotz handeln, sondern um ein durchdesignten Komplex, so würde es für uns doch deutlich weniger hermachen, bzw. hätte auch gar nicht diese Anziehungskraft, die es auf uns ausübt.

Habt ihr eine Vision vom Ihme-Zentrum?
Wir wünschen uns viele weitere schöne Jahre mit dir. Bleib so wie du bist, denn du bist schön so wie du bist, egal was die anderen reden.

Das Shirt gibt es direkt bei VICINITY im Engelbosteler Damm 17 zu kaufen. Oder hier im Netz.

September 2016 – Ein Picknick im Ihme-Zentrum

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung vorbeigebracht.

Bewohner und Vereinsmitglied Jan-Philippe Lücke hat allen Bewohner im Ihme-Zentrum eine Einladung zum Picknick vorbeigebracht.


Am Sonnabend, 24. September, lädt die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum mit FreundInnen und Kooperationspartnern zum ersten Picknick für BewohnerInnen, FreundInnen und Kulturschaffende. Wir möchten mit Euch ab 15 Uhr zusammenkommen, um gemeinsam zu essen, trinken, klönen. Dafür stellen wir im zweiten Obergeschoss am Ihmeplatz Tische und Bänke auf und rufen zu einem interaktiven Kaffeekränzchen.

Der Ort ist gut über einen der beiden Aufzüge zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm oder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz zu erreichen. Jeder kann dabei einfach dazukommen und muss nichts weiter machen, als ein wenig Proviant mitzubringen.

Wie beim Bürgerbrunch lernt man sich bei Gesprächen besser kennen, kommt unverbindlich miteinander ins Gespräch und kann sich gegenseitig zu Kuchen, Salat & Fruchtcocktails einladen – was man auch immer mitbringen möchte. Natürlich kann man seinen Tisch auch festlich dekorieren! Oder minimalistisch gestalten.

Dazu stellt die Kultur AG der Zukunftswerkstatt Plakate auf, auf denen BewohnerInnen und Künstler festhalten können, welche Spielarten der Kultur dem Ihme-Zentrum grundsätzlich fehlen. Lesungen? Aktionen? Oder doch Ausstellungen samt Bildern aus dem Ihme-Zentrum selbst? Wir wollen mit Euch gemeinsam essen und ein wenig auf kulturelle Ideensammlung gehen.

Bringt Freunde mit! Bringt gutes Wetter mit(wir sind aber zur Not überdacht)! Und seid herzlich Willkommen!

September 2016 – Aktuelles von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Ab sofort gibt es einen Newsletter der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Darin wird regelmäßig über Neuigkeiten aus dem Quartier berichtet, was der Verein so treibt und welche Aktivitäten andere Akteuere im Zentrum so machen. Bei Interesse: Einfach eine E-Mail an mail(at)ihmezentrum(punkt)org schicken.

Wer sich auch so für den Verein interessiert: Am 24. September lädt das Team zum ersten kulturellen Picknick ins Ihme-Zentrum. Egal ob Bewohner, Interessierte oder Kulturschaffende – jeder ist herzlich eingeladen, dazuzukommen. Das Ganze ist organisiert wie eine Art Bürger-Brunch: An mehreren Tischen können sich die Besucher austauschen, nur das eigene Geschirr und auch etwas Proviant für die lange Tafel ist mitzubringen.

So können alle in offener Atmosphäre zusammenkommen und sich austauschen. Der Verein will dabei auch von wissen, welche Spielarten der Kultur im Ihme-Zentrum überhaupt erwünscht und gefordert sind: Lesungen? Ausstellungen und Performances? Oder sogar Konzerte?

Los geht es am 24. September ab 15 Uhr im 2. OG des Ihmeplatzes. Der Ort ist entweder über die weiße Treppe auf dem Ihmeplatz erreichbar oder per Aufzug zwischen Ihmeplatz 1 und Stadtwerke-Turm in die 2. Etage. Hier das Event bei Facebook.

Das Ihme-Zentrum als Start-up-Location

Das ehemalige Einkaufszentrum

Das Ihme-Zentrum als Hot-Spot für Kreative und Unternehmer. Der Politiker und Internet-Marketing-Experte Jörg Schimke sieht in dem Quartier einen idealen Möglichkeitsraum für Start-ups. Im Interview erklärt er, wie ein Existenzgründungszentrum die Transformation des Viertels mit prägen und tragen könnte.

Das Ihme-Zentrums als Existenzgründungszentrum: Was ist die Idee und wie möchtest du das umsetzen?
Es gibt so viele Ideen, denen im Wortsinn nur der Raum zur Entfaltung fehlt. Im Ihme-Zentrum finden wir diesen Raum und das sogar noch mitten in der Stadt. Existenzgründungszentren liegen sonst ja eher abseits, verschämt in irgendwelchen Gewerbegebieten versteckt. Durch die zentrale Lage des Ihme-Zentrums steht hier ein komplett anderes, größeres Potenzial zur Verfügung. Für den Anfang könnten 1.000 Quadratmeter Nutzfläche genügen.

Wie könnte das Ihme-Zentrum an sich davon profitieren?
Es geht los, es bewegt sich was. Das ist schon ein Wert an sich. Das Ihme-Zentrum ist ja sonst Beton gewordener Stillstand. Das färbt auf ganz Hannover ab. Allein schon die Führungen durch das Zentrum, der Verein, das wachsende bürgerschaftliche Engagement haben angefangen, etwas endlich wieder in Bewegung zu setzen. Mit dem Ihme-Zukunfts-Zentrum wird das plötzlich konkret. Dornröschen will wachgeküsst werden. Der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum hat ja schon die Parole ausgegeben: „Das Ihme-Zentrum muss ein Leuchtturm werden.“ Und genau das ist es.

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Und würde das Ganze auch einen Effekt auf Hannover haben?
Existenzgründungen in dieser Form bringen eine neue Qualität in den Wirtschaftsstandort Hannover. Das werden lokal fest verwurzelte Unternehmen. Unternehmerinnen, die sich ohne Zweifel auch in der Stadtgesellschaft engagieren werden. Das ist eine ganz andere Hausnummer als Konzerne oder Ketten. Konzerne sind launisch und anspruchsvoll. Und wenn sie niesen, dann bekommt die Stadt eine Lungenentzündung. Mit einem Existenzgründungszentrum diversifiziert die Stadt – in Branchen und Märkten. Und es ist eine kluge Risikostreuung.

Hast du eine Vision, wie mit deiner Idee das Ihme-Zentrum in zehn Jahren aussehen könnte?
Alle fünf Jahre soll sich das Ihme-Zukunfts-Zentrum häuten. Sind die anderen Gewerbeflächen inzwischen in Schwung gekommen? Läuft das Existenzgründungszentrum im Ihme-Zentrum gut? Welche Impulse kommen vom Zentrum in der Stadt an? Wenn es gut läuft, dann nehmen wir noch einen Happen Beton dazu: Wir erweitern das Zentrum um ein weiteres Modul. Mit neuen, anderen Inhalten und Themen. So oder so bin ich überzeugt: Das Ihme-Zentrum wird der Hot-Spot der Stadt. Wir müssen jetzt nur den Stillstand überwinden.

Jörg Schimke

Foto: Kristina Verzbilovskis

Jörg Schimke (58) lebt seit 2004 in Linden, hat Marketing-Kommunikation studiert als PCs noch unbekannt waren und arbeitet jetzt im Internet-Marketing. Seit 2009 gehört Jörg Schimke dem Bezirksrat Linden-Limmer an, seit 2014 als parteifreier Einzelvertreter. Zu seinen Lieblingsthemen gehören Demokratie, soziale Gerechtigkeit, eine nachhaltige, soziale und faire Wirtschaft.
Sein Blog: www.klickhin.de

Passend dazu: Constantin Alexander hat im Auftrag vom kre-H-tiv-Netzwerk eine Analyse über das Potenzial von kreativen Hot-Spots am Beispiel des Ihme-Zentrums erarbeitet. Sie findet sich hier zum kostenlosen Download: Der Hannover-Effekt

Das Ihme-Zentrum bei der UNESCO

Foto: Ole Witt

Nach zwei Jahren mit dem Experiment Ihme-Zentrum zieht Constantin Alexander Bilanz: Das Image des Quartiers hat sich gewandelt, viele tolle Menschen engagieren sich inzwischen für eine nachhaltige und kreative Transformation und das Thema interessiert inzwischen auch außerhalb Hannovers: Im September stellt Constantin sein Projekt bei einer UNESCO-Konferenz in Schweden vor.

Genau vor zwei Jahren habe ich ein Experiment gestartet. Ich bin in ein Wohnviertel gezogen, das viele in meiner Heimatstadt Hannover als Schandfleck oder Ruine beschimpfen: das Ihme-Zentrum. Dieses einstige Leuchtturmprojekt aus den 1970er-Jahren steht für die Verwüstungen von globaler Immobilienspekulation, unnachhaltigem Wirtschaften und einer gestörten Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Es ist riesengroß, sieht aus wie ein Raumschiff und urbane Legenden darum drehen sich vor allem um Gewalt, Kriminalität und Verderben. Ich stellte mir ein Leben dort vor allem als ein Abenteuer vor.

Meine Freunde waren erst ungläubig, als ich ihnen erzählte, was ich vorhatte. „Dort wirst du doch sofort ausgeraubt“, warnten sie mich. „Da ist die ganze Zeit Stress.“ Manche machten Witze: „Bist du jetzt der Hipster, der dort einzieht und die Gentrifizierung startet?“ Andere wiederum wurden sofort aufmerksam und teilten mein Interesse an dem Quartier: „Geil, lädst du mich ein, sobald du drin bist?“

Am Anfang fand ich vor allem zwei Fragen spannend: Warum wurde das Ihme-Zentrum gebaut? Und: Warum sieht es in den unteren Geschossen eigentlich so kaputt aus? Ich sprach mit Nachbarn, Experten aus den Bereichen Architektur, Geschichte und Wissenschaft und recherchierte intensiv. Tagsüber und nachts nahm ich meine Taschenlampe und ging auf Erkundungstour. Nach einigen Monaten hatte ich einen Überblick und Antworten.

Das Ihme-Zentrum steht symbolisch für die Zeit, in der es entstanden ist: Die 1970er-Jahre waren das letzte Jahrzehnt, in dem die Zukunft positiv gesehen wurde. Menschen flogen zum Mond und machten sich die Erde endgültig Untertan. Alles, was technisch möglich war, wurde ausprobiert. Das Quartier wurde so groß, weil es so mehr Geld verdienen sollte. Doch der Bauherr ging vor der Eröffnung pleite. Seitdem ähnelt die Geschichte des Ihme-Zentrums einem Krimi oder einer Tragödie. Dass es so leer steht, liegt vor allem an der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 und daran, dass manche Unternehmen mehr Geld damit verdienen, etwas kaputt gehen zu lassen, als es zu erhalten.

Trotz der tragischen Geschichte des Quartiers war ich sofort fasziniert von meiner neuen Heimat. Meine Nachbarn waren von Anfang an super, ich wohnte nun über einem Fluss mit dem Blick über die Stadt, und das Ihme-Zentrum selbst wurde für mich immer mehr zu einem Raumschiff. Ich sah nicht mehr die Kaputtheit und den Schmutz vor meinem Eingang, sondern die Möglichkeiten, die sich hier boten. 100.000 Quadratmeter stehen hier leer, in der besten Lage einer aufstrebenden und liebenswerten Stadt. Da musste es doch Lösungen geben, wie das Ganze zu reparieren ist, dachte ich mir. Dieser schlafende Riese musste doch aufzuwecken sein…

Um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu finden, fing ich im Winter 2014 an, Menschen ins Zentrum einzuladen. Und sie kamen: Am Anfang waren es vor allem Expertinnen und Experten und meine Freunde. Doch bald wurden es immer mehr, mit denen ich mich austauschen konnte. Ich fing an, kostenlose monatliche Rundgänge durch das Ihme-Zentrum zu machen. Bis heute kamen mehr als 4.000 Menschen. Ich traf den tollen Filmemacher Hendrik Millauer, wir wurden Freunde und fingen an, die bewegte Geschichte des Quartiers in einem Dokumentarfilm einzufangen. „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ ist fast fertig. Im Oktober dürfen wir eine aktuelle Werkstattschau in der Kunsthalle Wien zeigen. Die Premiere in Hannover wird im Herbst sein.

Weil wir kein Geld für den Film hatten, starteten wir eine Crowdfunding-Kampagne, die mit rund 10.000 Euro endete. Für die Entwicklung des Drehbuchs bekamen wir eine Förderung von Nordmedia. Die Designerin Corinna Lorenz gestaltete als Film-Merchandise wunderschöne Poster und Postkarten, die inzwischen in ihrem Laden immer mehr verkauft werden. Kai Schirmeyer vom kre-H-tiv Netzwerk für Kreativwirtschaftsförderung erkannte das Potenzial des Ihme-Zentrums für einen kreativen Hot-Spot und ließ mich die Analye Der Hannover-Effekt anfertigen. Und aus einem losen Gesprächskreis von den Architekten, Stadtplanern und Experten für Stadtsanierung, mit denen ich ins Gespräch gekommen war, wurde in diesem Frühjahr der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. (Eine ganze Liste der Aktiven und alle Infos zum Verein gibt es hier.)

Der Verein ist bislang sehr aktiv: Die Expertinnen und Experten in der Arbeitsgruppe Räumliche Planung haben einen Zehn-Punkte-Plan zur planerischen und architektonischen Sanierung erarbeitet. Wir durften den Bund Deutscher Architekten bei der Durchführung ihrer „Architekturzeit“ im Quartier unterstützen. Wir vermittelten einen Platz für einen Palettengarten, den die Menschen von Transition Town Hannover liebevoll pflegen. Einer meiner Höhepunkte war die gemeinsam mit der exposive medien gruppe entwickelte Podiumsdiskussion mit den Vertretern der demokratischen Fraktionen im Stadtrat von Hannover. Vor der Kommunalwahl erklärten alle Politiker, dass sie die Punkte des Vereins unterstützen und eine bessere Zukunft für das Ihme-Zentrum wollen.

Es waren zwei wilde Jahre. Ich durfte lernen, dass sich Engagement lohnt und wie toll die Menschen in Hannover sind! Die Chancen stehen gut, dass das Ihme-Zentrum eine bessere Zukunft bekommt. Und ich habe gespürt, dass ich NICHT der Einzige bin, der die Arbeit dafür übernimmt. Wir sind viele, und es werden immer mehr. Und die Aufmerksamkeit kommt inzwischen auch von außerhalb der Stadt!

Am 13. September darf ich mein Experiment Ihme-Zentrum auf einer Konferenz über kreative und nachhaltige Ansätze bei der Regionalen Entwicklung von der UNESCO in Schweden präsentieren. Darauf freue ich mich sehr. Ich werde den Menschen erzählen, welche tollen Ideen es in Hannover gibt, wenn es darum geht, aus einer vermeintlichen Ruine ein neues Wahrzeichen für eine nachhaltige und kreative Stadt der Zukunft zu machen. Und ich werde sie einladen, nach Hannover zu kommen, um sich das Ihme-Zentrum anzuschauen, mit den Menschen dieser spannenden Stadt ins Gespräch zu kommen und uns zu helfen.

Danke für alle, die mich in den vergangenen zwei Jahren unterstützt haben! Ihr macht diese Stadt lebenswert!

Kommt am 24. September ins Ihme-Zentrum zum ersten öffentlichen Picknick der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum! Es geht um 15 Uhr los in der Passage auf der 2. Ebene. Der Weg vom Küchengarten dorthin wird ausgeschildert.

Im Rahmen meiner Arbeit habe ich eine Broschüre entwickelt: „Die nachhaltige Disruption“ hier zum kostenlosen Download.

„Das Ihme-Zentrum muss zum Alleinstellungsmerkmal werden“

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Volles Haus im Capitol: Die Menschen interessiert die Zukunft des Ihme-Zentrums sehr.

Vor vollem Haus machten sich am Dienstagabend die Politiker der Landeshauptstadt Hannover stark für eine sogenannte Vorbereitende Untersuchung im Ihme-Zentrum. Diese Inventur muss im Stadrat beschlossen werden und untersucht, ob ein Stadtviertel unter baulichen Mängeln leidet und ob sich die Eigentümer vor Ort weigern, Renovierungsarbeiten vorzunehmen.

Das Capitol in Hannover ist voll. Die rund 200 Sitzplätze unten sind belegt, dahinter, daneben und oben auf der Empore drängen sich die Menschen – sie sind gekommen, um zu erfahren, wie die Politik in der Landeshauptstadt das Ihme-Zentrum revitalisieren möchte. Auf dem Podium sitzen neben Moderator Jan Egge Sedelies die Vertreter der demokratischen Parteien im Stadtrat: Felix Blaschzyk (CDU), Daniel Gardemin (Grüne), Ewald Nagel (SPD), Gerhard Kier (FDP) und Dirk Machentanz (Die Linke). Im Rahmen des Kommunalwahlkampfes wollen die Politiker die Positionen ihrer Parteien zur aktuellen Situation im Ihme-Zentrum vorstellen. Ein Thema, das in den vergangenen Monaten heftig diskutiert wurde, nachdem Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) dem Großeigentümer Intown ein Ultimatum gestellt hat, um ein Konzept vorzulegen.

Entgegen mancher Erwartung sind sich die fünf Politiker auf der Bühne des vollen Capitols sehr schnell auf wesentliche Punkte einig und blieben dabei stets sehr freundlich und konstruktiv: Das Ihme-Zentrum darf nicht abgerissen werden, und es braucht mit der sogenannten Vorbereitenden Untersuchung eine Art Inventur, um die Situation vor Ort von Experten bewerten zu lassen. Dazu hat der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht, der eine juristische und architektonische Grundlage für eine nachhaltige und kreative Transformation des Viertels bietet. Alle Parteien bewerteten diese zehn Thesen als wertvoll und ideal geeignet, um das Thema im Stadtrat und in den Dezernaten einmal komplett neu anzugehen.

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Freundlich und konstruktiv diskutierten die Vertreter über eine bessere Zukunft für das Quartier.

„Wir brauchen eine Vorbereitende Untersuchung“, so Daniel Gardemin in seiner Forderung, der sich alle Politiker anschlossen und die im Publikum laut beklatscht wurde. Der Grünen-Politiker sieht in dem Quartier einen idealen Möglichkeitsraum für Gärten zwischen und auf den Häusern, für eine Energieversorgung mit Solarzellen und für Urban Farming im Gewerbebereich, bei dem Lebensmittel in Kreislaufsystemen hergestellt wird. „Im Stadtteil Linden wird viel ausprobiert, warum lassen wir dann beispielsweise nicht einen Künstler die Fassaden des Zentrums gestalten?“, so Gardemin, der dafür lauten Applaus genoss.

Der CDU-Politiker Felix Blaschzyk ging sogar weiter: „Das Ihme-Zentrum muss zum überregionalen Alleinstellungsmerkmal werden.“ Durch bessere Wegeverbindungen, indem beispielsweise die Stadt den Ihmeuferweg kauft, würde das Quartier besser mit Hannover verbunden. „Auch kann ich mir vorstellen, dass sich hier die Start-up-Szene wohl fühlt.“ Viele Gründer und Vertreter der Wirtschaft Hannovers waren im Publikum anwesend und reagierten mit lautstarker Zustimmung. Damit seine Forderung realistisch wird, schlug Blaschzyk die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft durch die Stadt vor, die das Ihme-Zentrum über Jahre revitalisiert und die Flächen an einzelne Interessenten vermieten oder verkaufen könnte.

Dem FDP-Vertreter Gerhard Kier war eine Verbesserung des Umfeldes des Ihme-Zentrums wichtig. „Die Blumenauerstraße im Süden muss zu einer richtigen Straße werden. Hier kann die Stadt zeigen, wie ernst sie es mit der Integration des Quartiers in sein Umfeld meint.“ Auch sollte die sanierte, aber bislang leer stehende Tiefgarage für Nutzer frei gegeben werden. Etwas, das der Linken-Politiker Dirk Machentanz unterstützte: „Uns wären vor allem bezahlbare Wohnungen im Ihme-Zentrum wichtig.“

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Gerd Runge von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum präsentierte die zehn Thesen des Vereins zur nachhaltigen und kreativen Revitalisierung des Quartiers.

Der SPD-Politiker Ewald Nagel wagte zwar keine große Vision, betonte aber das Engagement seiner Partei für das Quartier: „Ich wünsche mir ein lebendiges Ihme-Zentrum. Damit das gelingt, brauchen wir die gesamte Stadtgesellschaft“, appelierte er ans Publikum, die ihm lautstark unterstützten. Als Mehrheit im Rat sollte seine Partei eine Aktualisierung des Zustandsberichts im Quartier planen, schlug Nagel vor. Dies könnte durch eine neue Vorbereitende Untersuchung gemacht geschehen. „Die zehn Handlungsempfehlungen der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum sind sehr praktikabel und bieten für die Entwicklung des Quartiers eine gute Lösung“, so Nagel.

Mit einer positiven Grundstimmung und weitestgehender Einigkeit endete der Abend. Die Forderung eines Manns aus dem Publikum, das Ihme-Zentrum in einer gemeinsamen Aktion zu besetzen, wurde lachend zur Kenntnis genommen. Gerne hätte das Publikum den Großeigentümer Intown zu den besprochenen Themen befragt, doch trotz Einladung war weder ein Vertreter des Berliner Unternehmens vor Ort, noch jemand von der Quartiersverwaltung Cardea. Nun bleibt es abzuwarten, wie sich die Politiker nach der Kommunalwahl am 11. September an ihren Versprechen für eine bessere Zukunft des Quartiers erinnern und dementsprechend handeln.

Hier gibt es die zehn Schritte für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums zum kostenlosen Download.

Danke an die exposive Mediengruppe für die tolle Betreuung und Technik vor Ort. Und danke an Hannover Concerts, dass sie uns das Capitol zur Verfügung gestellt haben!

10 Thesen für die Revitalisierung des Ihme-Zentrums

1. These
Das Ihme-Zentrum ist eine stadtgesellschaftliche Herausforderung. Es geht darum, dem Ihme-Zentrum eine Zukunftsperspektive zu geben – der Abriss ist keine Option. Die Übernahme des Intown-Eigentums durch die Stadt steht nicht zur Diskussion.

2. These
Etwa 225.000 m² der ca. 285.000 m² Gesamtfläche im Ihme-Zentrum funktionieren im Grundsatz. Bei diesen Flächen anstehende Sanierungen können und müssen privatrechtlich gelöst werden. Dies liegt in der Verantwortung der jeweiligen Eigentümer.

3. These
Das Gemeinschaftseigentum im Sockelgeschoss (ca. 13.000 m²) muss neu geordnet werden, denn mit der jetzt gültigen Teilungserklärung ist ein Zukunftskonzept nicht realisierbar.

4. These
Der Rat der Landeshauptstadt sollte kurzfristig nach der Kommunalwahl Vorbereitende Untersuchungen nach § 141 des Baugesetzbuches (BauGB) in Auftrag geben. Nach Vorliegen der Ergebnisse der Untersuchung ist zu bewerten, ob eine Erhaltungssatzung nach § 142 BauGB oder eine Ausweisung als „Stadtumbaugebiet West“ nach § 171d BauGB für die Neuregelung der Eigentumsverhältnisse im Sockelgeschoss zielführend sein kann.

5. These
Wenn die Gemeinschaftseigentumsflächen neu geregelt sind, gibt es für die Sockelgeschossetagen eine gute Perspektive für die Zukunft!

6. These
Für eine gelingende Revitalisierung und Integration des Quartiers in seine Umgebung müssen die Wegeverbindungen im Ihme-Zentrum und die Vorflächen zur Ihme öffentlich werden und in die Zuständigkeit der Stadt übergehen (insgesamt ca. 15.000 m²).

7. These
Sinnvoll sind stadtteilbezogene Einkaufsflächen mit Bezug auf die Wegeverbindungen an den beiden Kopfseiten des Sockelgeschosses in einer Größe, die den Konkurrenzdruck zu den Geschäften in den angrenzenden Stadtbereichen nicht zu groß werden lassen.

8. These
Zum Sanierungskonzept sollten der Rückbau der Überdachung der Ihmepassage und der Umbau in begrünte und den Bewohnern zum Aufenthalt vorbehaltene Blockinnenbereiche gehören. Hierdurch wird es möglich und wirtschaftlich tragfähig, im Bereich zwischen Ihmepassage und Blumenauer Straße oberhalb der Straßenebene ca. 10.000 m² zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

9. These
Die übrigen ca. 30.000 m² im Sockelgeschoss vorrangig auf der Straßenebene eignen sich sehr gut für Gewerbe, Kultur, Dienstleistungen, Gesundheitsprojekte, Gastronomie, etc..

10. These
Die Stadt Hannover schließt mit Intown für die jetzt genutzten ca. 28.000 m² Büroflächen und, wenn enercity ausziehen sollte, auch für deren ca. 30.000 m² für aus dem Stadtgebiet zusammengezogene Behörden, einen neuen 20-Jahres-Mietvertrag. Dies geschieht jedoch nur dann, wenn Intown die in den folgenden kommunalpolitischen Handlungsempfehlungen dargestellten Bedingungen erfüllt.

Die Thesen wurden vom Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum im Sommer 2016 erarbeitet. Das gesamte Thesenpapier „10 Schritte zum Glück“ mit detaillierten Erläuterungen und Handlungsempfehlungen steht hier zum kostenlosen Download.

Copyright: Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Das Konzept wird am 23. August bei einer Podiumsdiskussion im Capitol (Schwarzer Bär 2) vorgestellt. Einlass ist ab 17.30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

August 2016 – Das Ihme-Zentrum als Teil einer Theater-Wanderung

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Die Geschichte des Ihme-Zentrums könnte sicher Inhalt ein eigenes Theaterstück sein. Für die Theatergruppe Frl. Wunder AG des Freien Theater Hannover ist das Quartier schon jetzt ein spannender Ort, um Teil einer Wanderung durch Hannover zu sein. Mit-Initiator Micha Kranixfeld erzählt, warum das Zentrum ab morgen Teil einer Inszenierung ist:

Für unser Projekt „Wegefreiheit“ haben wir uns nicht nur auf die Suche nach ungewöhnlichen Routen durch Hannover begeben, sondern auch nach Orten gesucht, an denen sich Visionen von Arbeit und Freizeit manifestieren. Im Ihme-Zentrum werden die urbane Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses Themas gleichzeitig sichtbar. Von der mechanischen Weberei des „Lindener Samts“ über den Beton gewordenen Traum von Arbeit, Wohnen und Freizeit in Einem bis hin zur Vision einer nachhaltigen neuen Zukunft, die der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum oder das Team des Palettengartens von Transition Town Hannover jetzt formulieren.

Die Theater-Wanderung der Frl. Wunder AG findet zwischen dem 13. August und 25. September an verschiedenen Terminen statt. Alle Infos und Tickets gibt es hier.

Juli 2016 – Das Ihme-Zentrum als beliebtes Fotomotiv

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„Ich fotografiere das Ihme-Zentrum sehr gerne, da das Ihme-Zentrum für mich einen ganz eigenen persönlichen Charme hat, den man mit jedem Foto immer wieder neu entdecken kann!“ Sabine

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„Der Anblick des Wohnkomplexes am Ihme-Ufer ist gewaltig, vor allem bei sommerlichem Licht am Spätnachmittag. Mich fasziniert die bunte Skyline vom anderen Flussufer genauso wie die grauen und dunklen Verzweigungen im Inneren des Zentrums. Trotz der abgesperrten Bereiche und dem Leerstand der Schaufenster fühlt und sieht man noch Leben im Ihme-Zentrum. Ich freue mich über die bisherige Erhaltung des Komplexes, jedoch erachte ich ihn als viel zu spannend, um ihn so ungenutzt zu lassen. Die Vielseitigkeit und Authentizität der Location macht sie natürlich auch fotografisch interessant. Ich freue mich schon auf den nächsten Spaziergang auf beiden Uferseiten, ob mit oder ohne Kamera!“ Max

Echte Konzepte für eine bessere Zukunft

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Am 23. August präsentiert der Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept zur Revitalisierung des Ihme-Zentrums im Capitol (Schwarzer Bär 2). Im Anschluss diskutieren die Vertreter der Fraktionen im Stadtrat über die Zukunft des Quartiers.

Am Schluss der Veranstaltung bekommt das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Die Veranstaltung ist für alle Gäste kostenlos und wird von dem Verein Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum in Kooperation mit dem Capitol und der exposive Mediengruppe organisiert.

Wann: 23. August – 18 Uhr, 17.30 Uhr Einlass
Wo: Capitol Hochhaus (Schwarzer Bär 2)
Eintritt: kostenlos

Hier findet ihr die Veranstaltung bei Facebook.